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Autor: Michael Korinek

  • Orthopädische Sicherheitsschuhe: Einlegesohle, Weite und Norm – was passt zu welchem Beruf?

    Wer täglich in Sicherheitsschuhen arbeitet und gleichzeitig orthopädische Fußprobleme hat, braucht mehr als einen Standardschuh: Er braucht einen Schuh, der nach EN ISO 20345:2022 zertifiziert ist, bauartbedingt Spielraum für individuelle Zurichtung bietet und offiziell für diese Zurichtung freigegeben wurde. Welche Einlegesohle passt, welche Schuhweite sinnvoll ist und welcher Schuh für welchen Beruf geeignet ist – das klärt dieser Ratgeber auf Basis gesicherter Fachinformationen.


    Warum Standard-Einlegesohlen in Sicherheitsschuhen oft nicht ausreichen

    Sicherheitsschuhe tragen Beschäftigte im Schnitt sechs bis zehn Stunden täglich. In dieser Zeit wirken Körpergewicht, Untergrund und Schritthäufigkeit direkt auf Fußgewölbe, Fersenbereich und Vorfuß. Wer Hallux valgus, Spreizfuß, Plattfuß, Fersensporn oder diabetisches Fußsyndrom hat, spürt diese Belastung besonders schnell.

    Die serienmäßige Einlegesohle eines Sicherheitsschuhs ist ein Kompromiss für den statistischen Durchschnittsfuß. Sie hält die EN ISO 20345:2022 ein, aber sie gleicht individuelle Fehlstellungen oder Druckstellen nicht aus. Genau hier setzt die orthopädische Zurichtung an.

    Was „orthopädische Zurichtung" konkret bedeutet

    Orthopädische Zurichtung bezeichnet den Eingriff durch einen zertifizierten Fachbetrieb – in der Regel ein orthopädischer Schuhmacher oder Orthopädie-Schuhtechnik-Betrieb – der den Schuh an die individuelle Fußmorphologie anpasst. Mögliche Maßnahmen sind:

    • Individuelle Einlegesohlen (Weichbettung, Pelotten, Fersenpolster, Längsgewölbestütze)
    • Anpassung der Schuhweite durch Strecken oder Schuhzurichtung
    • Außen- oder Innenranderhöhung bei Fehlstellungen der Achse
    • Ballenrollen oder Abrollhilfen bei eingeschränkter Sprunggelenksbeweglichkeit

    Wichtig: Nicht jeder Sicherheitsschuh darf zugerichtet werden. Der Schuh muss für orthopädische Zurichtung freigegeben sein – das heißt, die Baumusterprüfung muss diese Möglichkeit explizit einschließen. Andernfalls erlischt die Zertifizierung nach EN ISO 20345:2022, und der Schuh verliert seine Schutzfunktion im rechtlichen Sinne.


    Schuhweite: Welche Bezeichnungen gibt es, und was ist für wen sinnvoll?

    Die meisten Menschen kennen nur Schuhgrößen in EU-Skala. In der Sicherheitsschuhbranche spielen Weiten eine ebenso große Rolle – besonders bei orthopädischem Anpassungsbedarf.

    Gängige Weitenbezeichnungen im Sicherheitsschuh-Segment:

    Weite Beschreibung Typische Zielgruppe
    Normal (z. B. G, F) Standardleis Fuß ohne besondere Anfälligkeiten
    Weit (z. B. H, K) Breiterer Vorfuß Spreizfuß, Hallux valgus, Ödeme
    Extra Weit (z. B. XL, 2E) Sehr breiter Leisten Stark geschwollene Füße, Prothesen, Verbände
    Schmal Enger Leisten Schmale Füße mit Tendenz zu Druckstellen an der Außenkante

    Herstellerbezeichnungen variieren. ELTEN, Uvex und andere Hersteller nutzen eigene Weiten-Systeme; es lohnt sich, vor dem Kauf direkt in der Produktbeschreibung nachzuschauen, ob Weiteninformationen angegeben sind.

    Wer braucht welche Weite?

    Spreizfuß und Hallux valgus: Beide Erkrankungen verbreitern den Vorfuß. Sicherheitsschuhe in normaler Weite erzeugen Druck am Ballen. Weite H oder breiter, kombiniert mit einer Pelotteneinlage, die das Quergewölbe stützt, reduziert diesen Druck spürbar.

    Plattfuß und Knickfuß: Hier ist die Längsgewölbestütze entscheidend, nicht primär die Weite. Dennoch: Ein zu enger Schuh verstärkt die Pronation, weil der Fuß nach innen ausweicht.

    Fersensporn: Weichbettung im Fersenbereich oder eine Fersenpolster-Einlage verringert den Aufprall. Bei ausgeprägtem Fersensporn empfiehlt sich zudem ein Schuh mit dämpfender Laufsohle – das schließt Sicherheitsschuhe mit Energierückgabe oder PU/TPU-Sohlen ein.

    Diabetisches Fußsyndrom: Druckstellen können hier zu offenen Wunden führen. Nahtfreie Innenausstattung, weiches Obermaterial und eine Maßeinlage aus druckverteilendem Material (z. B. Memory-Schaum mit Druckentlastungszonen) sind in diesem Fall unverzichtbar.


    Normen und rechtliche Rahmenbedingungen

    EN ISO 20345:2022 – die Basisnorm

    Die EN ISO 20345:2022 definiert die Mindestanforderungen an Sicherheitsschuhe. Alle Sicherheitsschuhe, die auf dem EU-Markt vertrieben werden, müssen diese Norm erfüllen. Die Schutzklassen S1 bis S7 unterscheiden sich in Zusatzmerkmalen wie Durchtrittsicherung, Wasserdichtigkeit oder Antistatik.

    Orthopädisch zugerichtete Sicherheitsschuhe müssen die Zertifizierung nach Zurichtung behalten. Das ist nur möglich, wenn der Hersteller den Schuh explizit für orthopädische Zurichtung freigegeben hat. Eine nachträgliche Zurichtung ohne diese Freigabe macht den Schuh zur gewöhnlichen Fußbekleidung – ohne Schutzfunktion.

    DGUV Regel 112-191 – Zurichtung und Kostentragung

    Die DGUV Regel 112-191 (Deutschland) regelt, unter welchen Voraussetzungen der Arbeitgeber orthopädische Sicherheitsschuhe bereitstellen oder finanzieren muss. Grundsätzlich gilt: Benötigt ein Beschäftigter aufgrund seiner Fußanatomie oder einer Erkrankung orthopädisch angepasste PSA, trägt der Arbeitgeber die Kosten – orthopädische Maßschuhe eingeschlossen. Die Zurichtung muss durch einen zertifizierten Fachbetrieb erfolgen.

    In Österreich regelt das das ASchG in Verbindung mit der PSA-Verordnung (PSA-V); zuständige Stelle ist die AUVA. In der Schweiz gelten die VUV und die Trägerschaft der Suva und des EKAS.


    Welcher Schuh passt zu welchem Beruf?

    Pflege, Gesundheit und Klinik

    Im Gesundheitsbereich stehen Beschäftigte oft auf hartem Betonuntergrund, bewegen sich viel und haben selten Zeit für lange Pausen. Hier empfehlen sich:

    • Sicherheitsschuhe in Berufsschuh-Optik (unauffälliges Design) mit ESD-Zertifizierung (Schutz vor elektrostatischer Entladung, wichtig bei medizinischen Geräten)
    • Weiche Polsterung im Schaft
    • Herausnehmbare Einlegesohle – das ist die Grundvoraussetzung, damit eine orthopädische Einlage überhaupt passt
    • Schutzklasse S1 oder S1P reicht in vielen klinischen Bereichen; S3 bei Arbeiten im Außenbereich oder Logistik

    ESD (Electrostatic Discharge): Bezeichnet den kontrollierten Ableitungswiderstand für elektrostatische Ladungen gemäß EN ISO 20345. Relevant überall dort, wo elektroempfindliche Bauteile oder medizinische Geräte in Reichweite sind.

    Handwerk, Bau und Industrie

    Auf Baustellen sind Untergrund und Belastungen deutlich härher. Schutzklasse S3 (mit Durchtrittsicherung und Wasserdichtigkeit) ist hier häufig die Anforderung. Für orthopädische Anpassung bedeutet das:

    • Schuh mit genug Innenvolumen für eine Maßeinlage
    • Freigabe zur orthopädischen Zurichtung vom Hersteller prüfen
    • Verstärkte Schaftkonstruktion bei Knöchelproblemen – ein hoher Schaft stabilisiert, ersetzt aber keine medizinische Behandlung
    • Energierückgabe-Sohlen (z. B. PU-Doppeldichte) für lange Schichten

    Logistik und Lagerhaltung

    Gabelstaplerfahrer und Lagermitarbeiter wechseln oft zwischen Stehen und Gehen. Hallux- und Spreizfußprobleme sind in dieser Berufsgruppe verbreitet. Geeignet sind:

    • Niedrige oder halbhohe Sicherheitsschuhe mit breitem Vorfußbereich
    • Antistatische Ausrüstung (ESD), sofern elektrisch empfindliche Waren bewegt werden
    • Herausnehmbare Serieneinlage als Voraussetzung für individuelle Einlage
    • Schutzklasse S1P oder S3 je nach Gefährdungsbeurteilung

    Praktische Tipps zur Auswahl und Nutzung

    • Professionelle Fußvermessung vor dem Kauf: Fußlänge, -breite und Gewölbetyp bestimmen gemeinsam den richtigen Schuh. Online-Größenberater können erste Orientierung geben, ersetzen aber bei komplexem Fußbild keine Fachberatung.
    • Eintrageliste beim Hersteller prüfen: Nur Schuhe, die in der Eintrageliste des Herstellers als für orthopädische Zurichtung freigegeben aufgeführt sind, dürfen zugerichtet werden.
    • Eingewöhnungszeit einplanen: Neue Einlegesohlen brauchen Eingewöhnungszeit – in der Regel ein bis zwei Wochen, in denen Muskulatur und Sehnen die neue Belastungsverteilung adaptieren.
    • Regelmäßiger Sohlen-Check: Einlegesohlen aus weichem Material verlieren ihre Stützfunktion nach einigen Monaten. Richtwert für Austausch: etwa alle 6–12 Monate, abhängig von Schichtlänge und Körpergewicht.
    • Nie zwei Einlegesohlen übereinander: Eine individuelle Einlage ersetzt die Serieneinlage – sie kommt nicht zusätzlich obendrauf. Sonst sitzt der Fuß zu hoch und verliert Halt im Schuh.

    FAQ

    Darf ich eine orthopädische Einlegesohle einfach selbst in den Sicherheitsschuh legen?

    Orthopädische Einlegesohlen dürfen grundsätzlich in Sicherheitsschuhe eingelegt werden, sofern der Hersteller den Schuh dafür freigegeben hat. Die Serieneinlage wird dabei entnommen und durch die individuelle Einlage ersetzt. Wichtig: Die Zurichtung selbst – also Anpassungen am Schuh oder spezielle Einlagen mit Aufbauten – muss durch einen zertifizierten Fachbetrieb für Orthopädie-Schuhtechnik erfolgen. Nur so bleibt die Zertifizierung nach EN ISO 20345:2022 erhalten.

    Wer übernimmt die Kosten für orthopädische Sicherheitsschuhe?

    Benötigt ein Beschäftigter aufgrund seiner Fußanatomie orthopädisch angepasste Sicherheitsschuhe als Persönliche Schutzausrüstung (PSA), ist der Arbeitgeber kostenpflichtig. In Deutschland regelt das die DGUV Regel 112-191; in Österreich das ASchG mit PSA-V (Träger: AUVA), in der Schweiz die VUV (Träger: Suva/EKAS). Bei privat motivierter Anpassung (z. B. reiner Komfortwunsch ohne medizinische Indikation) gilt das nicht.

    Verliert ein Sicherheitsschuh seine Zertifizierung nach der orthopädischen Zurichtung?

    Das hängt davon ab, ob der Hersteller die Zurichtung in der Baumusterprüfung eingeschlossen hat. Schuhe, die explizit für orthopädische Zurichtung freigegeben sind, behalten ihre Zertifizierung nach EN ISO 20345:2022 – vorausgesetzt, die Zurichtung erfolgt durch einen zertifizierten Fachbetrieb. Bei Schuhen ohne diese Freigabe erlischt die Schutzfunktion nach dem Eingriff. Der Schuh gilt dann nicht mehr als PSA.

    Welche Schutzklasse brauche ich, wenn ich orthopädisch angepasste Sicherheitsschuhe benötige?

    Die Schutzklasse (S1, S1P, S2, S3 usw.) richtet sich nach der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes – nicht nach dem orthopädischen Bedarf. Orthopädische Anpassung und Schutzklasse sind unabhängige Anforderungen. Ein Bauarbeiter mit Spreizfuß braucht möglicherweise S3 mit individueller Einlage; ein Klinikbeschäftigter mit Fersensporn kommt mit S1 und Weichbettung aus.

    Ab welcher Fußproblematik sollte ich einen zertifizierten Orthopädie-Schuhmacher aufsuchen?

    Bei Druckstellen, anhaltenden Schmerzen im Fuß, Sprunggelenk oder Knie, Hallux valgus, Fersensporn oder diabetischem Fußsyndrom ist eine Fachberatung durch einen Orthopädie-Schuhtechniker sinnvoll – möglichst in Kombination mit einer ärztlichen Diagnose. Handelsübliche Komfort-Einlegesohlen können leichte Beschwerden mindern; bei strukturellen Fehlstellungen oder medizinischer Indikation reichen sie nicht aus.


    Glossar

    EN ISO 20345:2022
    Die internationale Norm für Sicherheitsschuhe auf dem EU-Markt. Sie legt Mindestanforderungen an Zehenkappe, Sohle, Obermaterial und zusätzliche Schutzmerkmale fest. Die Schutzklassen S1 bis S7 unterscheiden sich in Merkmalen wie Durchtrittsicherung (P), Wasserdichtigkeit (WR) oder Metatarsalschutz (M). Orthopädisch zugerichtete Schuhe müssen diese Zertifizierung behalten – das setzt eine Freigabe durch den Hersteller voraus.

    DGUV Regel 112-191
    Das verbindliche Regelwerk der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für den Einsatz von Fußschutz als PSA. Es löst die frühere BGR 191 ab und regelt unter anderem, wann der Arbeitgeber orthopädische Maßschuhe bereitstellen muss, welche Anforderungen an Auswahlverfahren und Tragepflicht gelten und wie Reinigung und Instandhaltung organisiert werden sollen.

    Baumusterprüfung
    Die Baumusterprüfung ist das Zertifizierungsverfahren, in dem eine notifizierte Stelle (z. B. ein akkreditiertes Prüflabor) den Schuh auf Normkonformität testet. Erst wenn die Baumusterprüfung die Möglichkeit orthopädischer Zurichtung einschließt, darf der Schuh durch einen Fachbetrieb angepasst werden, ohne seine PSA-Zertifizierung zu verlieren.


    TL;DR

    • Orthopädische Sicherheitsschuhe müssen für individuelle Zurichtung freigegeben sein – andernfalls erlischt die Zertifizierung nach EN ISO 20345:2022.
    • Die Schuhweite ist entscheidend: Spreizfuß und Hallux valgus brauchen breite Leisten; Plattfuß braucht eine Längsgewölbestütze.
    • Zurichtungen dürfen nur durch zertifizierte Orthopädie-Schuhtechnik-Betriebe erfolgen – kein Do-it-yourself bei medizinischer Indikation.
    • Kosten trägt der Arbeitgeber, wenn orthopädisch angepasste Schuhe als PSA erforderlich sind (DGUV Regel 112-191 / ASchG+PSA-V / VUV).
    • Schutzklasse und orthopädischer Bedarf sind unabhängig: Die Gefährdungsbeurteilung bestimmt die Klasse, die Diagnose bestimmt die Zurichtung.

    Nächster Schritt

    Wer Sicherheitsschuhe mit ausreichend Innenvolumen für eine individuelle Einlage sucht, findet eine gefilterte Auswahl in der Sicherheitsschuhe-Kategorie auf genxtreme.de. Für spezifische Einsatzbereiche – etwa Klinik, Bau oder Logistik – gibt der Ratgeber zu Sicherheitsschuhen nach Schutzklasse auf genxtreme.de konkrete Empfehlungen nach Berufsfeld und Norm.


    Verfasst von Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 8. Oktober 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022 – Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe (ISO 20345:2021) — iso.org
    • DGUV Regel 112-191 – Benutzung von Fuß- und Knieschutz — dguv.de
    • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Informationen zu PSA — baua.de
  • LOWA Sicherheitsschuhe S3: Was das Kürzel bedeutet und warum der Leisten entscheidend ist

    S3 ist die häufigste Schutzklasse bei LOWA Sicherheitsschuhen und kombiniert geschlossene Fersenkappe, durchtrittsichere Sohle und Wasserdichtheit in einem Schuh. Wer einen LOWA Sicherheitsschuh kauft, sollte neben dem Schutzklassen-Kürzel vor allem auf den Leisten achten — er entscheidet darüber, ob der Schuh den ganzen Arbeitstag komfortabel sitzt oder bereits nach wenigen Stunden drückt.


    Was bedeutet S3 bei Sicherheitsschuhen?

    S3 ist eine Schutzklasse nach EN ISO 20345:2022, der europäischen Norm für Sicherheitsschuhe. Die Norm legt fest, welche Mindestschutzfunktionen ein Schuh erfüllen muss, bevor er das CE-Kennzeichen und das Kürzel S1, S2 oder S3 tragen darf.

    S3 schließt alle Anforderungen der Klassen S1 und S2 ein und fügt zwei weitere hinzu:

    • S1 (Basisschutz): Zehenschutzkappe mit 200-Joule-Prüfung, antistatische Eigenschaften, kraftstoffbeständige Laufsohle, geschlossene Ferse.
    • S2 (= S1 + Wasserdurchdringungsschutz): Das Obermaterial muss einem definierten Wassereindringtest standhalten.
    • S3 (= S2 + durchtrittsichere Einlage): Zusätzlich eine Einlage im Bereich des Vorfußes, die einen Nageldurchtritt verhindert — geprüft mit mindestens 1.100 Newton.

    Ein LOWA Sicherheitsschuh mit S3-Kennzeichnung schützt also gleichzeitig vor herabfallenden Gegenständen (Zehenkappe), Nässe (Obermaterial), und spitzen Gegenständen auf dem Boden (Antiperforationssohle). Das macht S3 zur verbreiteten Wahl auf Baustellen, im Handwerk, im Logistikbereich und überall dort, wo eine Gefährdungsbeurteilung mehrere Risiken gleichzeitig ausweist.

    Wann reicht S1P — und wann brauche ich S3?

    Das Kürzel S1P taucht ebenfalls häufig auf. „P" steht für die durchtrittsichere Einlage — dieselbe Funktion wie bei S3, allerdings ohne den Wasserdurchdringungsschutz des Obermaterials (S2). S1P eignet sich für trockene Innenräume mit Perforationsgefahr, etwa in Lagerhallen oder der Montage. Sobald Pfützen, Regen oder feuchte Böden regelmäßig auftreten, ist S3 die bessere Wahl.

    Schutzklasse Zehenkappe Antistatik Wasserabweisend Durchtrittsicher
    S1 ✓ ✓ — —
    S1P ✓ ✓ — ✓
    S2 ✓ ✓ ✓ —
    S3 ✓ ✓ ✓ ✓

    Warum der Leisten bei LOWA Sicherheitsschuhen entscheidend ist

    Ein Schuh, der in der Schutzklasse S3 zertifiziert ist, schützt trotzdem nicht, wenn er nicht korrekt sitzt. Der Leisten — das dreidimensionale Formmodell, über das der Schuh gefertigt wird — bestimmt die Passform vollständig: Breite, Höhe des Ristbereichs, Zehenraumhöhe und die Wölbung der Brandsohle.

    LOWA entwickelt seine Leisten auf Basis langer Erfahrung aus dem Trekkingschuhbau. Der Unterschied zu generischen Industrieleisten zeigt sich besonders bei langen Schichten:

    • Schmalerer Mittelfuß mit mehr Zehenraumhöhe: Verhindert Druckstellen im Übergang zur Kappe.
    • Anatomisch geformte Brandsohle: Unterstützt die natürliche Fußwölbung, ohne orthopädische Einlagen vorauszusetzen.
    • Fersenbereich mit definiertem Halt: Reduziert das Herausrutschen, das bei langen Laufwegen zu Blasen führt.

    Ein falsch sitzender Sicherheitsschuh gefährdet die Schutzwirkung indirekt: Wer drückende Schuhe trägt, verändert seinen Gang, trägt Schuhe zu lang in verschlissener Form weiter oder greift im schlimmsten Fall zur privaten Sandale — ohne Schutzfunktion.

    Wie LOWA-Leisten sich voneinander unterscheiden

    LOWA bietet verschiedene Leistenbreiten an. In der Produktbeschreibung oder auf dem Lieferschein erscheinen Bezeichnungen wie Normal (Standardbreite) oder Wide. Für Träger mit breitem Vorfuß oder Hallux-Tendenz kann eine Wide-Variante den Unterschied machen. Wer sich unsicher ist, sollte beide Varianten anprobieren — oder bei ausschließlichem Online-Kauf auf detaillierte Größentabellen und Rückgaberegelungen achten.

    Orthopadische Zurichtung: Was ist erlaubt?

    Wer orthopädische Einlagen trägt, sollte prüfen, ob der gewählte LOWA Sicherheitsschuh für Einlagen freigegeben ist. Laut DGUV Regel 112-191 dürfen orthopädische Zurichtungen an Sicherheitsschuhen nur durch zertifizierte Fachbetriebe vorgenommen werden, und der Schuh muss in der Baumusterprüfung dafür zugelassen sein. Einfach eine handelsübliche Einlage einzulegen, kann die geprüfte Schutzwirkung beeinträchtigen — insbesondere bei der Antiperforationseinlage, wenn die Geometrie verändert wird.


    LOWA Sicherheitsschuhe: Technologien hinter der Schutzklasse

    LOWA setzt in seinen Sicherheitsschuhen mehrere Technologien ein, die über die Normerfüllung hinausgehen:

    • LOWA DUO-FIT-Innenschuh: Wechselbares Fußbett für individuelle Anpassung und Einlagenkombination, sofern freigegeben.
    • Gore-Tex®-Futter (in ausgewählten Modellen): Gore-Tex® ist eine Membrantechnologie, die Wasserdichtheit mit Atmungsaktivität verbindet — das Obermaterial sperrt Nässe aus, lässt aber Wasserdampf entweichen. Relevant für Außenarbeiten bei wechselnder Witterung.
    • Vibram- oder LOWA-eigene Laufsohlen: Bieten je nach Profil unterschiedliche Griffigkeit auf Schotter, Beton oder nassen Böden.
    • Composite-Zehenschutzkappen: Leichter als Stahlkappen, nicht leitend — relevant bei Arbeiten in elektrischen Anlagen oder bei Metall-Detektorgängen.

    Für Träger, die im Winter oder in Kühlbereichen arbeiten, gibt es LOWA-Modelle mit WR (Water Resistant)– oder CI (Cold Insulation)-Kennzeichnung nach EN ISO 20345:2022 — Zusatzkennzeichen, die über die S3-Grundanforderung hinausgehen.


    Pflege verlängert die Schutzwirkung

    Ein S3-zertifizierter Schuh behält seine Prüfwerte nur, solange das Obermaterial intakt ist. Risse im Leder oder beschädigtes Synthetikgewebe setzen die Wasserdichtheit (S2-Anforderung) außer Kraft. Grundpflege für LOWA Sicherheitsschuhe:

    • Ledermodelle: regelmäßig mit geeignetem Lederpflegemittel behandeln, Nähte kontrollieren.
    • Synthetik-/Textilmodelle: trocken abbürsten, bei starker Verschmutzung mit lauwarmem Wasser reinigen.
    • Sohlen: Profil auf Abrieb prüfen — ist die Antiperforationseinlage durch Sohlenabrieb nicht mehr in Ursprungsposition, muss der Schuh getauscht werden.
    • Austauschintervall: In der Regel empfehlen Hersteller eine Prüfung nach 12 Monaten intensiver Nutzung; ein klares Enddatum gibt die Norm nicht vor.

    FAQ

    Was bedeutet S3 bei Sicherheitsschuhen genau?

    S3 ist eine Schutzklasse nach EN ISO 20345:2022 und bezeichnet Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe (200 Joule), antistatischen Eigenschaften, wasserabweisendem Obermaterial und durchtrittsicherer Einlage. Alle vier Eigenschaften müssen gleichzeitig erfüllt sein, damit ein Schuh das S3-Kürzel tragen darf. S3 ist die umfangreichste der Basisschutzklassen und deckt die meisten Risikoprofile auf Baustellen und im Außeneinsatz ab.

    Was ist der Unterschied zwischen S3 und S1P?

    S1P bietet Zehenkappenschaft, Antistatik und durchtrittsichere Einlage, aber kein wasserabweisendes Obermaterial. S3 fügt gegenüber S1P den Schutz vor Wasserdurchdringung hinzu. Wer in trockenen Innenbereichen arbeitet, kommt mit S1P aus. Bei regelmäßiger Nässe — Baustelle, Außengelände, Landwirtschaft — ist S3 die passende Schutzklasse. Die Entscheidung liegt immer bei der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers.

    Warum ist der Leisten bei LOWA Sicherheitsschuhen so wichtig?

    Der Leisten bestimmt die dreidimensionale Form des Schuhs und damit Passform, Druckverteilung und Tragekomfort über die gesamte Schicht. LOWA nutzt Leistengeometrien aus dem Trekkingschuhbau, die Zehenraumhöhe, Ristbreite und Fersenform an die natürliche Fußanatomie anpassen. Ein schlecht passender Schuh verschlechtert den Gang, erhöht das Verletzungsrisiko durch veränderte Körperhaltung und wird in der Praxis häufiger zu früh abgelegt — was den Schutzgedanken untergräbt.

    Darf ich normale Einlagen in LOWA Sicherheitsschuhe einlegen?

    Das hängt vom Modell ab. Laut DGUV Regel 112-191 sind orthopädische Zurichtungen an Sicherheitsschuhen nur durch zertifizierte Fachbetriebe erlaubt, und der Schuh muss in seiner Baumusterprüfung für Zurichtungen freigegeben sein. Einfache Komfort-Einlagen ohne veränderte Geometrie sind in vielen Modellen unproblematisch — aber wenn die Einlage die Höhe der Antiperforationseinlage verändert oder den Sitz der Zehenschutzkappe beeinflusst, kann die geprüfte Schutzwirkung entfallen.

    Wie lange hält ein LOWA S3-Sicherheitsschuh?

    Die EN ISO 20345:2022 gibt kein festes Haltbarkeitsdatum vor. Die Nutzungsdauer hängt von Einsatzintensität, Boden, Pflege und Lagerung ab. Hersteller empfehlen in der Regel eine Kontrolle nach etwa 12 Monaten intensivem Einsatz. Erkennbare Zeichen für einen notwendigen Austausch: sichtbare Risse im Obermaterial, stark abgelaufenes Sohlenprofil, beschädigte Nähte oder verformte Zehenschutzkappe.


    Glossar

    EN ISO 20345:2022

    EN ISO 20345:2022 ist die aktuelle europäische Norm für Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe. Sie legt Mindestanforderungen für Grundschutz (SB) und die Schutzklassen S1 bis S3 fest, definiert Prüfverfahren und regelt Zusatzkennzeichen wie CI (Kälteisolierung), HI (Hitzeisolierung) oder WR (Wasserbeständigkeit). Alle in der EU vertriebenen Sicherheitsschuhe mit CE-Zeichen müssen diese Norm erfüllen.

    Antiperforationseinlage

    Die Antiperforationseinlage — auch Durchtrittsicherung genannt — ist eine Einlage im Vorfußbereich des Sicherheitsschuhs, die einen Nageldurchtritt verhindert. Nach EN ISO 20345:2022 muss sie einer Prüfkraft von mindestens 1.100 Newton standhalten. Moderne Einlagen bestehen oft aus hochfestem Textilverbund statt Metall, was das Gewicht reduziert und die Flexibilität verbessert.

    Gore-Tex®

    Gore-Tex® ist eine Membrantechnologie des Herstellers W.L. Gore & Associates. Die Membran besteht aus expandiertem Polytetrafluorethylen (ePTFE) mit Poren, die kleiner als Wassertropfen, aber größer als Wasserdampfmoleküle sind. Sicherheitsschuhe mit Gore-Tex®-Futter halten Nässe dauerhaft aus, leiten aber Fußfeuchtigkeit nach außen ab — was bei körperlich anspruchsvollen Schichten die Entstehung von Blasen und Druckstellen reduziert.


    TL;DR

    • S3 nach EN ISO 20345:2022 vereint Zehenkappe, Antistatik, wasserabweisendes Obermaterial und durchtrittsichere Einlage in einem Schuh.
    • S1P unterscheidet sich von S3 nur durch fehlendes Wasserschutz-Obermaterial — geeignet für trockene Innenbereiche.
    • Der Leisten bestimmt Passform und Tragekomfort über die gesamte Schicht; ein schlecht sitzender Sicherheitsschuh wird in der Praxis häufiger abgelegt.
    • Orthopädische Zurichtungen nur durch zertifizierte Fachbetriebe und nur bei freigegebenen Modellen — DGUV Regel 112-191 gilt.
    • Pflege und Sichtprüfung (Obermaterial, Sohle, Nähte) erhalten die geprüfte Schutzwirkung; ein Schuh mit Rissen oder abgelaufenem Profil erfüllt die Norm nicht mehr.

    Nächster Schritt

    Wer einen LOWA Sicherheitsschuh nach S3 sucht, findet die aktuelle Auswahl in der Kategorie LOWA Sicherheitsschuhe auf genxtreme.de. Wer noch zwischen S3 und S1P abwägt oder Fragen zur richtigen Leistenbreite hat, bekommt im Sicherheitsschuhe-Ratgeber auf genxtreme.de eine strukturierte Entscheidungshilfe.


    Autor: Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 10. September 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022 — Schutzausrüstung für die Füße — Sicherheitsschuhe (Beuth Verlag, beuth.de)
    • DGUV Regel 112-191 — Benutzung von Fuß- und Knieschutz (dguv.de)
    • W.L. Gore & Associates — Gore-Tex® Technologie für Footwear (gore.com)
  • Arbeitshandschuhe richtig wählen: Schnittschutz, Montage oder Schweißen – welche Kategorie für welchen Job?

    Den richtigen Arbeitshandschuh zu finden, scheitert oft nicht am Willen, sondern an der schieren Variantenvielfalt. Die entscheidende Weichenstellung ist die Gefährdungsart: Schnitt, Hitze, Chemikalien oder mechanische Belastung bestimmen, welche Schutzkategorie greift — und falsch gewählt schützt kein Handschuh, egal wie hochwertig er aussieht.


    Welche Normen regeln den Schutz?

    Bevor es um konkrete Einsatzfelder geht, lohnt ein kurzer Blick auf das Normengefüge — denn die Buchstaben und Zahlen auf der Packung sind keine Marketing-Aussagen, sondern Prüfergebnisse.

    EN 388 ist die zentrale Norm für mechanische Schutzhandschuhe. Sie prüft vier Eigenschaften: Abriebfestigkeit, Schnittbeständigkeit (Coup-Test), Weiterreißfestigkeit und Stichfestigkeit. Neuere Varianten ergänzen einen TDM-Schnitttest (Buchstabe A–F) sowie Schlagschutz (P). Das Piktogramm auf dem Handschuh zeigt eine Hand mit einer Axt — bekannt und weit verbreitet.

    EN 407 gilt für Hitzeschutzhandschuhe und prüft Entflammbarkeit, Kontaktwärme, Konvektionswärme, Strahlungswärme, kleine Spritzer geschmolzenen Metalls und große Mengen geschmolzenen Metalls — jeweils auf einer Skala von 0 bis 4.

    EN 374 deckt den Schutz vor Chemikalien und Mikroorganismen ab. Relevant für Handschuhe im Labor, in der Reinigung oder in der chemischen Industrie.

    EN 511 schließlich regelt den Kälteschutz — relevant für Kühlhäuser, Außenarbeiten im Winter oder Tiefkühlbereiche.

    Jede Norm kennzeichnet eine eigene Gefährdungsklasse. Ein Handschuh kann mehrere Normen erfüllen, wenn er entsprechend geprüft wurde — aber ein Schweißerhandschuh nach EN 407 ist kein Ersatz für einen Schnittschutzhandschuh nach EN 388, auch wenn er dick und robust aussieht.


    Schnittschutzhandschuhe: Wann und welche Stufe?

    Schnittschutzhandschuhe kommen überall dort zum Einsatz, wo scharfe Klingen, Bleche, Glasscherben oder Stanzmesser involviert sind: Metallverarbeitung, Glasindustrie, Lebensmittelproduktion, Schlachterei, Dachdecker- und Zimmererhandwerk.

    Die Schnittschutzklassen nach EN 388 (TDM-Methode) reichen von A bis F:

    Klasse Erforderliche Schnittenergie (Newton) Typischer Einsatz
    A ≥ 2 N Leichte Montagearbeiten mit Cuttermesser
    B ≥ 5 N Allgemeines Handwerk, Paketdienst
    C ≥ 10 N Metallverarbeitung, Blecharbeiten
    D ≥ 15 N Glashandhabung, Schlachterei
    E ≥ 22 N Schwere Metallbearbeitung
    F ≥ 30 N Höchste mechanische Schnittbelastung

    Materialien im Überblick: HPPE (High Performance Polyethylene, z. B. unter dem Markennamen Dyneema bekannt) bietet hohes Schnittschutzlevel bei geringem Gewicht. Stahlgeflechthandschuhe sind nahezu unzerstörbar, aber schwer und unflexibel — sinnvoll in der Fleischverarbeitung. Kevlar (Aramid) verbindet Schnitt- und Hitzeschutz und ist verbreitet in der Glasindustrie.

    Wichtig: Ein höheres Schnittschutzlevel bedeutet meist weniger Fingerspitzengefühl. Wer filigrane Teile montiert, wählt Stufe B oder C — wer Stahlplatten handhabt, braucht E oder F.


    Montagehandschuhe: Sensibilität trifft Schutz

    Montagehandschuhe nach EN 388 sind auf taktiles Feedback ausgelegt. Elektriker, Mechatroniker, Feinmechaniker und Logistiker brauchen Handschuhe, die schützen, ohne das Griffgefühl zu blockieren.

    Typische Merkmale:

    • Dünnes Trägermaterial (Nylon, Lycra oder Baumwoll-Elasthan) für Bewegungsfreiheit
    • Beschichtung auf Fingerkuppen oder Fläche: Nitril für Öl- und Fettbeständigkeit, PU für trockene Präzisionsarbeit, Latex für nasse Bedingungen
    • Touchscreen-Kompatibilität zunehmend Standard bei modernen Modellen

    Für ESD-gefährdete Umgebungen (z. B. Elektronikfertigung) gibt es antistatische Montagehandschuhe, die nach EN 16350 geprüft sind. ESD steht für Electrostatic Discharge — der unbeabsichtigte Entladungsimpuls, der empfindliche Bauteile zerstören kann.

    Der häufigste Fehler: zu dickwandige Handschuhe wählen, weil sie „sicherer" wirken. In der Montage riskiert schlechtes Griffgefühl Fehlgriffe und Unfälle — der Handschuh muss zur Tätigkeit passen, nicht nur zum Sicherheitsgedanken.


    Schweißerhandschuhe: Hitze, Funken, Spritzer

    Schweißerhandschuhe werden nach EN 407 und ergänzend nach EN 12477 (speziell für Schweißer) geprüft. EN 12477 unterscheidet zwei Typen:

    • Typ A: Höherer Schutz gegen Wärme und Spritzer, weniger Beweglichkeit — geeignet für MIG/MAG- und Lichtbogenschweißen
    • Typ B: Mehr Beweglichkeit, geringerer Hitzeschutz — geeignet für TIG/WIG-Schweißen, wo Fingerpräzision zählt

    Das Leitungsmaterial ist fast immer Rindnappaleder (weich, flexibel) oder Spaltleder (robuster, weniger sensitiv). Lange Stulpen schützen das Handgelenk vor Funkenflug; bei Überkopfarbeiten sind sie unverzichtbar.

    Ein Handschuh mit EN 407 Bewertung 4-1-2-X-X-X bedeutet zum Beispiel: Höchste Entflammungsresistenz (4), geringe Kontaktwärme (1), mittlere Konvektionswärme (2). Diese Zahlen stehen nicht für „besser oder schlechter" in der Gesamtschau — sie zeigen, gegen welche Wärmeart der Handschuh wie gut schützt.

    Vorsicht: Schweißerhandschuhe niemals für Schnittschutzaufgaben verwenden. Leder schützt vor Hitze, aber nicht vor scharfen Klingen.


    Welcher Handschuh für welche Branche? Eine Übersicht

    Branche / Tätigkeit Empfohlene Norm Material Besonderheit
    Metallverarbeitung, Blecharbeiten EN 388, Klasse C–E HPPE, Stahl Ölbeständige Beschichtung
    Glashandhabung EN 388, Klasse D–F HPPE, Aramidfaser Stichfest nach EN 388
    MIG/MAG-Schweißen EN 12477 Typ A, EN 407 Rind-/Spaltleder Lange Stulpe
    TIG/WIG-Schweißen EN 12477 Typ B, EN 407 Nappa-Leder Beweglichkeit Priorität
    Elektronikfertigung EN 16350 (ESD) Nylon/Elasthan Antistatisch
    Logistik, Kommissionierung EN 388 Klasse A–B Nylon + Nitril Rutschfest, dünn
    Chemiebereich EN 374 Nitril, Latex, Neopren Durchdringungszeit beachten
    Winteraußenarbeiten EN 511 Thinsulate, Fleece-Futter Wasserabweisend

    Passform und Größe: Unterschätzte Sicherheitsfaktoren

    Ein Handschuh, der nicht sitzt, schützt nicht. Zu groß gewählt rutscht er weg und verringert die Griffsicherheit. Zu eng schnürt er die Durchblutung ein und erhöht die Ermüdung.

    Die meisten Hersteller nutzen eine Größenangabe von 6 bis 11 (entspricht S bis XXL). Gemessen wird der Handumfang in der Mitte der Handfläche ohne Daumen. Wer an der Grenze zweier Größen liegt, wählt bei Präzisionshandschuhen eher kleiner, bei Schutzhandschuhen mit Polsterung eher größer.

    Für Damen- und Kinderhände gibt es Spezialsortimente — reguläre Industriehandschuhe sind auf männliche Durchschnittshände ausgelegt und sitzen an schmaleren Händen oft schlecht.


    Pflege und Austausch: Wann ist ein Handschuh am Ende?

    Beschädigte Schutzhandschuhe verlieren ihre Prüfwerte. Konkret: Ein eingerissener Schnittschutzhandschuh bietet an der Rissstelle keine Schutzwirkung mehr — das ist keine Einschätzung, das ist Physik. Regelmäßige Sichtprüfung gehört zur Routine.

    Waschbarkeit steht auf dem Etikett: Viele Nitril-beschichteten Handschuhe sind maschinenwaschbar bis 40 °C. Lederhandschuhe werden trocken gelagert und bei Bedarf mit Lederpflegemittel behandelt — niemals am Heizkörper trocknen, da das Leder reißt.

    Ein pauschales Ablaufdatum gibt es für mechanische Schutzhandschuhe nicht, aber ein verschlissenes Paar kostet weniger als ein Arbeitsunfall. Arbeitgeber sind nach PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) in Deutschland, ASchG + PSA-Verordnung in Österreich und VUV in der Schweiz verpflichtet, geeignete PSA bereitzustellen und deren Zustand sicherzustellen.


    Nächster Schritt

    Wer jetzt weiß, welche Kategorie gefragt ist, findet das passende Modell direkt in der Arbeitshandschuhe-Übersicht auf genxtreme.de. Wer Schnittschutz-Handschuhe für die Metallverarbeitung sucht, gelangt gezielt über die Schnittschutzhandschuhe-Kategorie bei GenXtreme zu gefilterten Ergebnissen nach Norm und Material.


    Glossar

    EN 388 — Europäische Norm für mechanische Schutzhandschuhe. Sie legt Prüfverfahren für Abriebfestigkeit, Schnittbeständigkeit, Weiterreißfestigkeit und Stichfestigkeit fest. Das Ergebnis erscheint als vierstellige Zahlenkombination auf dem Handschuh-Piktogramm; neuere Versionen ergänzen den TDM-Schnitttest mit Buchstaben A–F.

    ESD (Electrostatic Discharge) — Elektrostatische Entladung, die empfindliche elektronische Bauteile durch einen kurzen Spannungsimpuls irreparabel beschädigen kann. Antistatische Arbeitshandschuhe nach EN 16350 leiten diese Ladungen kontrolliert ab und verhindern so Bauteilausfälle in der Elektronikfertigung oder -wartung.

    EN 12477 — Norm speziell für Schutzhandschuhe beim Schweißen und verwandten Verfahren. Sie unterscheidet Typ A (hoher Hitzeschutz, geringere Beweglichkeit) und Typ B (höhere Fingerpräzision, geringerer Hitzeschutz) und ergänzt die allgemeine Hitzeschutznorm EN 407 um schweißspezifische Anforderungen.


    TL;DR

    • Die Gefährdungsart entscheidet: Schnitt → EN 388, Hitze/Schweißen → EN 407 + EN 12477, Chemikalien → EN 374, Kälte → EN 511.
    • Schnittschutzklassen A–F nach TDM-Methode: je höher die Klasse, desto geringer das taktile Feedback.
    • Schweißerhandschuhe (Typ A vs. Typ B nach EN 12477) unterscheiden sich primär in Beweglichkeit vs. Hitzeschutz.
    • Ein schlecht sitzender Handschuh schützt nicht — Größenwahl ist sicherheitsrelevant.
    • Beschädigte Handschuhe sofort aussortieren; Arbeitgeber tragen die Bereitstellungspflicht nach nationaler PSA-Verordnung.

    FAQ

    Darf ich einen Schnittschutzhandschuh beim Schweißen tragen?

    Nein. Schnittschutzhandschuhe aus HPPE oder Aramidfaser sind nicht für den direkten Kontakt mit Funken oder heißen Oberflächen ausgelegt. Sie können schmelzen oder sich entzünden. Für Schweißarbeiten sind ausschließlich nach EN 407 und EN 12477 geprüfte Lederhandschuhe geeignet.

    Welche Schnittschutzklasse brauche ich für die Arbeit mit einem Cutter- oder Teppichmesser?

    Für gelegentliche Arbeiten mit einem Cuttermesser im Lager oder auf der Baustelle reicht in der Regel Klasse B nach EN 388 (TDM). Wer täglich intensiv mit scharfen Klingen arbeitet, sollte Klasse C wählen — die etwas reduzierte Fingersensibilität ist bei dieser Tätigkeit vertretbar.

    Sind Einweghandschuhe aus Nitril echte Schutzhandschuhe?

    Medizinische oder lebensmitteltaugliche Einweghandschuhe aus Nitril sind keine PSA im Sinne von EN 374 für chemische Gefährdungen, sofern sie nicht entsprechend geprüft und zertifiziert sind. Echte Chemikalienschutzhandschuhe nach EN 374 müssen eine geprüfte Durchdringungszeit für die jeweilige Substanz nachweisen — das steht im Produktdatenblatt des Herstellers.

    Muss der Arbeitgeber Arbeitshandschuhe stellen?

    Wenn die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes eine Handschutzpflicht ergibt, ja. In Deutschland schreibt die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) vor, dass Arbeitgeber geeignete PSA kostenlos bereitstellen. Österreich regelt das über das ASchG und die PSA-Verordnung, die Schweiz über die VUV (Verordnung über die Verhütung von Unfällen). In allen drei Ländern liegt die Bereitstellungs- und Instandhaltungspflicht beim Arbeitgeber.

    Wie erkenne ich, ob ein Arbeitshandschuh gefälscht oder nicht normkonform ist?

    Normkonforme Handschuhe tragen das CE-Kennzeichen mit der vierstelligen Kennnummer der Notifizierenden Stelle, das entsprechende Norm-Piktogramm und die Leistungswerte auf der Verpackung oder dem Etikett. Fehlt eines dieser Elemente oder stimmen die Angaben nicht mit der Herstellerdokumentation überein, ist Vorsicht geboten. Im Zweifel liefert die EU-Datenbank für harmonisierte Normen Klarheit.


    Autor: Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 21. August 2026

    Quellen:

    • EN 388:2016+A1:2018 — Europäisches Komitee für Normung (CEN), cen.eu
    • EN 12477:2001+A1:2005 — Schutzhandschuhe für Schweißer, cen.eu
    • EU-Richtlinie 89/656/EWG über PSA-Benutzung — EUR-Lex, eur-lex.europa.eu
  • Atmungsaktive Sicherheitsschuhe: Worauf kommt es bei S1P und S3 wirklich an?

    Atmungsaktive Sicherheitsschuhe regulieren das Fußklima, indem sie Feuchtigkeit nach außen transportieren und gleichzeitig die Schutzfunktionen nach EN ISO 20345:2022 erfüllen. Der entscheidende Unterschied zwischen S1P und S3 liegt nicht in der Atmungsaktivität selbst, sondern im Schutzumfang: S3 schreibt zusätzlich eine durchtrittsichere Sohle und Wasserabweisung vor, S1P begnügt sich mit antistatischer Wirkung und Fersenpolsterung. Welche Klasse du brauchst, hängt von der Gefährdungsbeurteilung deines Arbeitsplatzes ab.


    Was steckt hinter der Schutzklasse — S1P und S3 im Vergleich

    Die Norm EN ISO 20345:2022 (zuvor EN ISO 20345:2011) definiert Mindestanforderungen für Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe oder Verbundschutzkappe, die mindestens 200 Joule Aufprallenergie standhalten muss. Die Schutzklasse entscheidet, welche Zusatzanforderungen ein Schuh erfüllen muss.

    Was S1P konkret bedeutet

    S1P baut auf der Basisklasse S1 auf. Ein S1-Schuh muss bereits antistatisch sein, Energie im Fersenbereich absorbieren, gegen Kraftstoff beständig sein und eine geschlossene Ferse aufweisen. Das „P" in S1P fügt die Durchtrittsicherheit nach EN ISO 20345 hinzu — das bedeutet Schutz gegen spitze Gegenstände von unten, früher ausschließlich durch eine Stahlzwischensohle, heute oft durch Textileinlagen aus Hochleistungsfasern wie Kevlar.

    S1P-Schuhe kommen häufig auf trockenen Böden zum Einsatz: Lagerhaltung, Produktion, leichter Handwerksbereich. Wegen fehlender Wasserabweisung als Pflichtmerkmal sind sie für nasse Außenbereiche weniger geeignet.

    Was S3 zusätzlich leistet

    S3 baut auf S2 auf, das bereits Wasserabweisung des Schaftmaterials verlangt. S3 ergänzt das um die durchtrittsichere Zwischensohle (wie bei S1P) und eine profilierte Laufsohle mit definierten Haftungseigenschaften. Das macht S3 zur Pflichtklasse auf Baustellen, im Tiefbau oder überall dort, wo Nässe und Nageldurchtritt regelmäßig auftreten können — je nach Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers.


    Warum Atmungsaktivität bei Sicherheitsschuhen besonders wichtig ist

    Ein geschlossener Sicherheitsschuh erzeugt durch die Schutzkappe und die oft verstärkte Sohle mehr Wärme als ein leichter Freizeitschuh. Wer acht Stunden oder länger auf den Beinen ist, produziert dabei erhebliche Feuchtigkeit. Staut sich diese im Schuh, entstehen Druckstellen, Mazerationen der Haut und ein ideales Milieu für Pilzinfektionen.

    Atmungsaktivität bedeutet, dass der Schuhschaft Wasserdampf nach außen durchlässt, ohne flüssiges Wasser einzulassen. Zwei Prinzipien dominieren den Markt:

    • Membrantechnologie: Eine mikroporöse Membran — bekanntestes Beispiel ist Gore-Tex® (eine wasserdichte, atmungsaktive PTFE-Laminatmembran) — sitzt zwischen Außenmaterial und Innenfutter. Sie lässt Wasserdampf durch, sperrt Wasser ab.
    • Direktatmende Materialien: Offenporige Meshgewebe oder perforiertes Leder am Schaft ohne Membran. Höchste Atmungsaktivität, aber keine Wasserdichtigkeit — geeignet für trockene Einsätze.

    Gore-Tex® in Sicherheitsschuhen: Wann sinnvoll, wann nicht?

    Gore-Tex®-Membrane in Sicherheitsschuhen kombinieren Wasserdichtigkeit mit Atmungsaktivität. Das klingt nach der besten Lösung, bringt aber einen Kompromiss: Bei sehr hoher Außentemperatur und extremer Körperaktivität kommt die Membran an ihre Grenzen, weil der Temperaturgradient zwischen innen und außen für den Wasserdampftransport sinkt. Für kühle bis gemäßigte Bedingungen mit Nassrisiko ist Gore-Tex® in S3-Schuhen ein echter Mehrwert. Für Hochsommereinsätze auf trockenen Böden leistet ein gut konstruierter Meshschaft ohne Membran oft mehr Komfort.


    Kaufkriterien: Worauf du bei atmungsaktiven Sicherheitsschuhen achten solltest

    Die Auswahl beginnt mit der Gefährdungsbeurteilung — nicht mit dem Modell. Folgende Punkte helfen bei der Eingrenzung:

    • Schutzklasse nach Einsatzbereich: Trockene Innenräume → S1P, Baustelle/Nasse Bereiche → S3 (je nach Gefährdungsbeurteilung)
    • Kappenmaterial: Stahlkappe ist schwerer, Aluminium- oder Verbundkappen (Kunststoff, Glasfaser) sind leichter und ESD-neutral; ESD steht für Electrostatic Discharge und bezeichnet den Schutz gegen elektrostatische Entladung, relevant in Elektronikmontage oder Spritzlackierung
    • Sohlenkonstruktion: PU/Gummi-Verbundsohlen bieten Öl-, Rutsch- und Kraftstoffbeständigkeit; einige Hersteller nutzen energierückkoppelnde Zwischensohlenschichten für weniger Ermüdung
    • Schaftmaterial: Glattleder ist robust und pflegearm, Nubuk/Veloursleder mehr griffig, Textilmaterialien maximieren Gewichtsreduktion und Atmungsaktivität
    • Zurichtbarkeit: Wer orthopädische Einlagen oder Zurichtungen benötigt, muss prüfen, ob der Schuh laut Baumusterprüfung dafür freigegeben ist — nur so bleibt der PSA-Schutz nach DGUV Regel 112-191 erhalten; Zurichtungen dürfen ausschließlich zertifizierte Fachbetriebe vornehmen
    • Passform und Leisten: Ein Schuh mit falscher Leistenform erzeugt Druckstellen, die kein atmungsaktives Material ausgleicht; viele Hersteller bieten Normalweite, Weit und Extra-Weit an

    Pflegehinweise für atmungsaktive Sicherheitsschuhe

    Membraneigenschaften bleiben nur erhalten, wenn du das richtige Pflegemittel verwendest. Lösungsmittelhaltige Pflegeprodukte können die Membranstruktur beschädigen. Nutze wasserbasierende Imprägniermittel; vermeide das Trocknen direkt an der Heizung, weil Hitze Kleber und Membran angreift. Wechsle wenn möglich täglich das Paar, damit die Innensohle vollständig trocknet.


    S1P vs. S3 — Vergleichstabelle für die Kaufentscheidung

    Merkmal S1P S3
    Schutzkappe (200 J) ✓ ✓
    Antistatik (ESD-Grundschutz) ✓ ✓
    Energieabsorption Ferse ✓ ✓
    Kraftstoffbeständigkeit ✓ ✓
    Geschlossene Ferse ✓ ✓
    Durchtrittsichere Sohle ✓ ✓
    Wasserabweisung Schaft — ✓
    Profilierte Laufsohle optional ✓
    Typische Einsatzfelder Lager, Produktion, trockene Werkstatt Bau, Tiefbau, Außenbereich, Nassbereich

    Größen und Passform: Das Sortiment im Überblick

    Die meisten Sicherheitsschuhe im Bereich S1P und S3 sind in Herrenschnitten von EU 39 bis EU 48 erhältlich, viele Modelle decken EU 36 bis EU 50 ab. Damenspezifische Leisten beginnen häufig bei EU 35. Wer zwischen zwei Größen liegt, sollte bei Sicherheitsschuhen tendenziell zur größeren Variante greifen, da die Schutzkappe keinen Spielraum verzeiht. Zwischengrößen (z. B. EU 43½) bieten manche Hersteller an, um häufige Passformprobleme zu vermeiden.


    FAQ

    Sind S1P-Schuhe für die Baustelle zulässig?

    S1P-Schuhe auf der Baustelle sind nicht grundsätzlich verboten, aber die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers legt fest, welche Schutzklasse erforderlich ist. Auf Baustellen mit Nagelrisiko, feuchten Böden oder stehendem Wasser ist S3 in der Regel die gefährdungsgerechte Wahl. S1P kann auf Baustellen mit ausschließlich trockenen, aufgeräumten Bereichen ausreichend sein — das entscheidet immer die konkrete Situation, nicht die Schuhklasse allein.

    Wie erkenne ich einen wirklich atmungsaktiven Sicherheitsschuh?

    Atmungsaktive Sicherheitsschuhe tragen entweder den Hinweis auf eine Membrantechnologie (z. B. Gore-Tex®) oder nutzen offenporiges Textil-/Meshgewebe im Schaft. Seriöse Hersteller geben den Wasserdampfdurchlasswiderstand (Ret-Wert) oder eine Klimakategorie an. Ein niedriger Ret-Wert bedeutet hohe Atmungsaktivität. Fehlt jede Angabe zum Fußklima, handelt es sich wahrscheinlich um ein konventionelles Modell ohne gezielte Feuchtigkeitsregulierung.

    Kann ich orthopädische Einlagen in Sicherheitsschuhe einlegen?

    Orthopädische Einlagen lassen sich nur dann sicher verwenden, wenn der Sicherheitsschuh laut seiner Baumusterprüfung dafür freigegeben ist. Anderenfalls verändert die Einlage die Passform der Schutzkappe und kann den PSA-Schutz beeinträchtigen. Individuelle orthopädische Zurichtungen dürfen ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe erfolgen — das schreibt die DGUV Regel 112-191 vor. Frage beim Hersteller oder Händler nach der Freigabe für dein Modell, bevor du Einlagen einsetzt.

    Was bedeutet ESD bei Sicherheitsschuhen?

    ESD steht für Electrostatic Discharge — elektrostatische Entladung. ESD-Sicherheitsschuhe leiten aufgebaute statische Ladung kontrolliert über den Schuhkörper ab, bevor sie sich explosionsartig entladen kann. Das ist relevant in der Elektronikmontage, Lackiererei oder überall dort, wo elektrostatische Entladungen Schäden an sensiblen Bauteilen oder Zündgefahren verursachen können. ESD-Schuhe nach EN ISO 20345 haben einen definierten Ableitwiderstand zwischen 0,1 MΩ und 35 MΩ.

    Wie lange halten atmungsaktive Sicherheitsschuhe?

    Atmungsaktive Sicherheitsschuhe haben keine gesetzlich vorgeschriebene Ablaufzeit, aber Hersteller empfehlen typischerweise einen Austausch nach 12 Monaten intensiver Nutzung oder sobald sichtbare Schäden an Sohle, Kappe oder Membran vorliegen. Die Membranfunktion kann durch falsche Pflege, mechanische Beschädigung oder chemische Einwirkung früher nachlassen. Regelmäßige Sichtprüfung durch Arbeitgeber und Träger ist nach den geltenden PSA-Vorschriften — in Deutschland die PSA-Benutzungsverordnung, in Österreich die PSA-Verordnung (PSA-V), in der Schweiz die VUV — ohnehin Pflicht.


    Glossar

    EN ISO 20345:2022
    Die internationale Norm EN ISO 20345:2022 legt Mindestanforderungen für Sicherheitsschuhe fest, die einen Zehenbereich mit einer Schutzkappe enthalten, die 200 Joule Aufprallenergie standhält. Sie definiert Schutzklassen (S1 bis S3, SB), Zusatzmerkmale (P, A, ESD) und Prüfverfahren. Die Norm gilt einheitlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

    Gore-Tex®
    Gore-Tex® ist eine eingetragene Marke der W. L. Gore & Associates GmbH und bezeichnet eine mikroporöse PTFE-Membran (Polytetrafluorethylen). Die Membranstruktur besitzt Poren, die kleiner als Wassertropfen, aber größer als Wasserdampfmoleküle sind. In Sicherheitsschuhen eingesetzt, ermöglicht sie Feuchtigkeitsregulierung bei gleichzeitiger Wasserdichtigkeit.

    Durchtrittsichere Sohle (Kennzeichen „P")
    Eine durchtrittsichere Sohle nach EN ISO 20345 schützt vor dem Eindringen spitzer Gegenstände — klassisch Nägel — von unten durch die Schuhsohle. Früher ausschließlich als Stahlzwischensohle ausgeführt, kommen heute auch Textilzwischensohlen aus Hochleistungsfasern wie Kevlar zum Einsatz. Letztere sind leichter und nicht leitfähig, was sie für ESD-Bereiche vorteilhaft macht.


    TL;DR

    • S1P und S3 unterscheiden sich hauptsächlich durch Wasserabweisung und Profilsohle bei S3 — die Schutzkappe (200 J) ist in beiden Klassen Pflicht.
    • Atmungsaktivität entsteht entweder durch eine Membrantechnologie (z. B. Gore-Tex®) oder offenporiges Schaftmaterial; beide Ansätze haben unterschiedliche Stärken je nach Einsatzbedingung.
    • Die richtige Schutzklasse legt die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers fest — nicht Gewohnheit oder Vorliebe.
    • Orthopädische Einlagen und Zurichtungen nur nach Freigabe laut Baumusterprüfung und durch zertifizierte Fachbetriebe (DGUV Regel 112-191).
    • Regelmäßige Pflege mit geeigneten Mitteln erhält die Membranfunktion — falsche Pflegeprodukte können die Atmungsaktivität dauerhaft beeinträchtigen.

    Nächster Schritt

    Wenn du weißt, welche Schutzklasse für deinen Einsatzbereich passt, findest du eine Auswahl an S1P- und S3-Sicherheitsschuhen im GenXtreme-Sortiment. Wer zusätzlich Wert auf spezialisierte Schutzfunktionen legt, kann in der Ratgeber-Kategorie für Sicherheitsschuhe auf GenXtreme Normen, Passformen und Materialkunde vertiefen.


    Verfasst von Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 10. August 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022 — Persönliche Schutzausrüstung — Sicherheitsschuhe (ISO 20345:2021) — iso.org
    • DGUV Regel 112-191 — Benutzung von Fuß- und Knieschutz — dguv.de
    • Gore-Tex® Technologie-Datenblatt — gore-tex.com
  • ELTEN Sicherheitsschuhe S3: Schuhbau, Leistenbauformen und Einsatz auf der Baustelle

    ELTEN Sicherheitsschuhe der Schutzklasse S3 nach EN ISO 20345:2022 vereinen Stahlkappe, Durchtrittschutz und Wasserabdichtung in einem Schuh — das macht sie zur meistgeforderten Ausführung auf nassen, schmutzigen und durchdringungsgefährdeten Baustellen. Ob ein S3-Schuh passt, hängt jedoch nicht nur von der Schutzklasse ab, sondern genauso von Leistenbauform, Schuhbau und Einsatzszenario.


    Was steckt in einem ELTEN S3-Sicherheitsschuh?

    Pflichtmerkmale der Schutzklasse S3

    Die Norm EN ISO 20345:2022 legt fest, welche Eigenschaften ein Schuh tragen muss, um als S3 zugelassen zu werden. Der Unterschied zu S1P liegt im wasserdichten Obermaterial (SRA/SRB/SRC-Rutschhemmung kommt hinzu, ist aber kein S3-Pflichtmerkmal). Folgende Grundeigenschaften sind Pflicht:

    • Zehenschutzkappe: Widersteht einer Stoßenergie von 200 Joule und einer Drucklast von 15 kN.
    • Durchtrittsichle (Penetration Resistance): Schützt die Fußsohle vor Nägeln und Metallteilen; bei ELTEN häufig als flexibler Textil-Durchtrittschutz ausgeführt, der mehr Beweglichkeit lässt als Stahleinlagen.
    • Geschlossene Ferse: Definierter Fersenbereich für Stabilität.
    • Wasserabweisendes Obermaterial: Verhindert das schnelle Eindringen von Feuchtigkeit — entscheidend auf der Baustelle bei Regen, feuchtem Beton oder stehenden Pfützen.
    • Antistatik-Eigenschaft (A): Ableitung elektrostatischer Aufladung, Widerstand zwischen 100 kΩ und 1000 MΩ.
    • Energieaufnahme in der Fersenzone (E): Stoßdämpfung beim Abrollen.
    • Kraftstoffbeständige Laufsohle (FO): Beständigkeit gegen Kohlenwasserstoffe.

    ESD (Electrostatic Discharge) ist ein eigenständiges Merkmal mit engerem Widerstandsbereich (0,1–35 MΩ) und kommt als Zusatzkennzeichnung vor — es ersetzt das „A"-Merkmal nicht automatisch.

    Konstruktionsprinzipien: Wie ELTEN den Schuh aufbaut

    ELTEN (Elten GmbH, Rees am Rhein) entwickelt Sicherheitsschuhe auf verschiedenen Konstruktionsprinzipien. Das Verständnis dieser Prinzipien hilft bei der Auswahl:

    Direktanspritzung (PU/PU oder PU/Gummi): Die Laufsohle wird direkt an das Schaftmaterial gespritzt. Das erzeugt eine feste, wasserdichte Verbindung ohne Klebenaht — relevant auf der Baustelle, wo Lösemittel und mechanische Belastung Klebenähte angreifen könnten.

    Rahmengeklebte Konstruktion: Schaft und Sohle werden über einen Rahmen verbunden. Dieser Aufbau ermöglicht ein schmaleres, fußformgetreueres Profil und vereinfacht spätere Sohlenreparaturen.

    Kletterschuh-/Hochschaft-Konstruktion: Für Gerüst- und Dacharbeiten, wo Knöchelstabilität und Halt am Stahlrohr gefragt sind.


    Leistenbauformen: Warum der Leisten wichtiger ist als die Optik

    Was ein Leisten ist und warum er über Langzeittauglichkeit entscheidet

    Der Leisten ist die dreidimensionale Form, auf der ein Schuh gebaut wird. Er bestimmt Breite, Wölbung, Zehenraumhöhe und Fersenfit. Ein Sicherheitsschuh, der auf dem falschen Leisten gefertigt ist, drückt nach vier Stunden — unabhängig davon, wie hochwertig das Material ist.

    ELTEN produziert Schuhe auf mehreren Leistentypen:

    Schmaler Leisten (Business-/Stadtleisten): Schlankes Profil, geringes Gewicht. Geeignet für leichteren Hallenbetrieb und Tätigkeiten mit wenig Laufweg auf unebenem Gelände.

    Mittlerer Standardleisten: Der häufigste ELTEN-Leisten für den Baustelleneinsatz. Bietet Zehenraumbreite ohne unnötige Materialfülle im Fußrücken.

    Breiter/Weiter Leisten: Empfohlen für Träger mit spreizfußartigem Fußbild, Hallux-Neigung oder wenn orthopädische Einlagen eingelegt werden sollen. Relevant: Orthopädische Zurichtungen an Sicherheitsschuhen dürfen nach DGUV Regel 112-191 nur durch zertifizierte Fachbetriebe vorgenommen werden; der Schuh muss dafür freigegeben (baumustergeprüft) sein.

    Zehenraumhöhe und Kappenform

    Die Schutzkappe definiert den Mindestabstand zwischen Zeh und Kappeninnenseite. ELTEN setzt je nach Modell auf konventionelle Stahlkappen oder auf Kappen aus Verbundwerkstoffen (Composite, z. B. Glasfaser-Kunststoff). Verbundwerkstoffkappen leiten keine Kälte weiter — ein Vorteil auf der Winterbaustelle — und sind unempfindlich gegenüber elektrischen Feldern.

    Die Zehenkappenform beeinflusst den Komfort bei breitem Vorfuß erheblich: Eine eckige Kappeninnenfläche bietet mehr Platz als eine konisch zulaufende.


    Einsatz auf der Baustelle: Welches S3-Modell für welche Aufgabe?

    Tiefbau, Rohbau und Erdarbeiten

    Hier dominieren Verletzungsrisiken durch herabfallende Teile, spitze Fremdkörper im Boden und Nässe. Ein S3-Schuh mit hohem Schaft (Knöchelschutz), breiter Laufsohle mit tiefem Profil und robusten Obermaterialien aus Nubukleder oder synthetischem Mesh-Leder ist angebracht. Viele ELTEN-Modelle für diesen Bereich tragen zusätzlich das Merkmal WR (Water Resistant, geprüfte Wasserdichtigkeit nach 90 Minuten Immersionstest).

    Ausbau, Elektro und Trockenbau

    Leichtere, flexible Modelle mit flachem Profil und Antistatik oder ESD-Kennzeichnung. Hier sind Stolperfallen durch Kabel und langes Stehen auf harten Böden die häufigsten Belastungen — also Dämpfung und Flexibilität vor maximaler Schafthöhe.

    Gerüstbau und Dachdeckerei

    Hochschaft-Modelle mit rutschhemmender Profilsohle (SRC = geprüft auf Stahlboden und Keramik), enger Passform am Knöchel und guter Spürbarkeit am Fuß. Das BIOMEX-System von Elten — eine anatomisch geformte Einlegesohle mit gelförmiger Fersendämpfung — trägt hier zur Ermüdungsreduktion bei langen Tragezeiten bei. BIOMEX ist eine eingetragene Elten-Technologie.

    Vergleich: S1P vs. S3 auf der Baustelle

    Merkmal S1P S3
    Zehenschutz 200 J ✓ ✓
    Durchtrittsichle ✓ ✓
    Wasserabweisendes Obermaterial — ✓
    Geschlossene Ferse ✓ ✓
    Antistatik ✓ ✓
    Energieaufnahme Ferse ✓ ✓
    Kraftstoffbeständige Sohle ✓ ✓
    Typischer Einsatz Trockene Hallen, Werkstatt Baustelle, Außenbereich, feuchte Böden

    Größen und Passformhinweise

    Das ELTEN-Sortiment reicht je nach Modellreihe von EU 36 bis EU 52, einzelne Modelle mit Halbgrößen ab EU 38,5. Wer ELTEN-Schuhe nicht aus dem Regal kennt: ELTEN-Leisten fallen je nach Kollektion unterschiedlich aus — ein Größenvergleich mit einem bisher getragenen Modell ist sinnvoll, bevor man eine neue Reihe wählt. Breite Ausführungen (W = Wide) sind für einige Modelle separat ausgewiesen.


    Pflege und Haltbarkeit von S3-Baustellenschuhen

    Sicherheitsschuhe verlieren ihre zertifizierten Schutzeigenschaften nicht durch Pflege, sondern trotz mangelnder Pflege. Konkrete Maßnahmen:

    1. Tägliches Austrocknen: Sicherheitsschuhe nach dem Einsatz trocknen lassen — nie neben der Heizung, da trockene Hitze Klebe- und Lederverbindungen angreift.
    2. Lederpflege: Einmal wöchentlich bei intensivem Einsatz mit einem lösemittelfreien Lederfett pflegen. Das hält das Obermaterial geschmeidig und erhält die Wasserdichtigkeit.
    3. Profilkontrolle: Abgefahrenes Profil reduziert die nach SRA/SRB/SRC geprüfte Rutschhemmung. Sobald das Profil unter 2–3 mm fällt, sollte der Schuh gewechselt werden.
    4. Kappenprüfung: Sichtbare Verformungen der Schutzkappe nach Stoßereignissen erfordern den sofortigen Tausch — eine verformte Kappe bietet keinen zuverlässigen Schutz mehr.

    Glossar

    EN ISO 20345:2022
    Die europäische Norm für Sicherheitsschuhe mit Grundanforderungen (S-Klassen) und Zusatzanforderungen (A, E, WR, CI u. a.). Sie definiert Prüfverfahren und Mindestwerte und gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen. Die Einhaltung ist Voraussetzung für das CE-Kennzeichen.

    BIOMEX
    Eingetragene Technologie von Elten: eine anatomisch geformte Einlegesohle mit integrierter Gelfersenzone und erhöhter seitlicher Abstützung. BIOMEX ist kein eigenständiges Produkt, sondern ein Bauteil, das in bestimmten Elten-Modellen verbaut wird. Es ist ausschließlich Elten zuzuschreiben — nicht GenXtreme oder FORSBERG.

    Leisten
    Die dreidimensionale Schablone, auf der ein Schuh gefertigt wird. Leisten unterscheiden sich in Länge, Breite, Zehenraumhöhe, Ballenweite und Fersenform. Der Leisten bestimmt, ob ein Schuh für einen bestimmten Fußtyp langfristig komfortabel und ergonomisch tragbar ist.


    TL;DR

    • ELTEN S3-Sicherheitsschuhe erfüllen nach EN ISO 20345:2022 zwingend: Zehenschutz 200 J, Durchtrittsichle, wasserabweisendes Obermaterial, geschlossene Ferse, Antistatik, Energieaufnahme und kraftstoffbeständige Sohle.
    • Der Leisten entscheidet über Langzeitkomfort: schmale, mittlere und weite Ausführungen adressieren unterschiedliche Fußtypen.
    • Verbundwerkstoff-Kappen isolieren gegen Kälte und elektromagnetische Felder — relevant auf der Winterbaustelle.
    • Für Tiefbau und Rohbau empfiehlt sich ein hoher Schaft mit WR-Merkmal; für Ausbau und Elektro reichen leichtere, ESD-geprüfte Modelle.
    • Orthopädische Zurichtungen nur durch zertifizierte Fachbetriebe gemäß DGUV Regel 112-191 — der Schuh muss baumustergeprüft freigegeben sein.

    Nächster Schritt

    Wer einen ELTEN S3-Schuh nach Einsatzbereich sucht, findet die aktuelle Auswahl in der ELTEN Sicherheitsschuhe Kategorie auf genxtreme.de. Wer unsicher ist, welche Leistenbauform zum eigenen Fußbild passt, kann den Schuhgrößenratgeber auf genxtreme.de als Orientierung nutzen.


    FAQ

    Welche Norm gilt für ELTEN S3-Sicherheitsschuhe?

    ELTEN S3-Sicherheitsschuhe werden nach EN ISO 20345:2022 geprüft und zertifiziert. Diese Norm definiert Pflichtmerkmale wie Zehenschutz mit 200 Joule Stoßenergie, Durchtrittsichle, wasserabweisendes Obermaterial und antistatische Eigenschaften. Das CE-Kennzeichen auf dem Schuh bestätigt, dass das Produkt die Anforderungen der Norm erfüllt. Die Norm gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen.

    Was ist der Unterschied zwischen S1P und S3?

    Der wesentliche Unterschied liegt im wasserabweisenden Obermaterial: S3 schreibt dieses Merkmal vor, S1P nicht. Beide Klassen verlangen Zehenschutz, Durchtrittsichle, geschlossene Ferse, Antistatik, Energieaufnahme in der Ferse und kraftstoffbeständige Sohle. Auf der Baustelle mit Regen, feuchtem Beton oder stehenden Pfützen ist S3 die geeignetere Wahl — S1P eignet sich eher für trockene Hallen und Werkstätten.

    Welche Leistenbauform eignet sich für breite Füße?

    Für breite oder spreizfußartige Füße empfiehlt sich ein ELTEN-Modell mit weitem Leisten (teils als „W" = Wide ausgewiesen). Ein zu schmaler Leisten erzeugt Druckstellen am Vorfuß, die sich nach einigen Stunden als Schmerz bemerkbar machen. Wer orthopädische Einlagen benötigt, sollte außerdem prüfen, ob das Modell für Zurichtungen baumustergeprüft freigegeben ist — diese Anpassungen dürfen nur zertifizierte Fachbetriebe vornehmen, wie DGUV Regel 112-191 vorschreibt.

    Kann ich ELTEN S3-Schuhe für Gerüstarbeiten verwenden?

    ELTEN S3-Schuhe mit Hochschaft-Konstruktion, enger Knöchelpassform und SRC-geprüfter Laufsohle sind für Gerüstarbeiten geeignet. Die SRC-Kennzeichnung bedeutet, dass die Rutschhemmung sowohl auf Stahluntergrund als auch auf Keramik geprüft wurde — beides kommt auf Gerüsten und Dächern vor. Für diese Einsatzbereiche sollte außerdem auf ausreichende Sohlenbiegesteifigkeit geachtet werden, um ein sicheres Abrollen am Gerüstholm zu ermöglichen.

    Wie lange halten ELTEN S3-Sicherheitsschuhe auf der Baustelle?

    Eine pauschale Lebensdauer lässt sich nicht nennen, da sie stark vom Einsatz abhängt. Regelmäßige Lederpflege, tägliches Trocknen und die Kontrolle von Profiltiefe und Kappenunversehrtheit verlängern die Haltbarkeit merklich. Nach einem sichtbaren Stoßereignis auf die Kappe ist der Schuh unabhängig vom optischen Zustand zu ersetzen, da die Schutzfunktion nicht mehr garantiert ist. Im intensiven Baustellenbetrieb liegt der übliche Ersatzzyklus je nach Modell und Pflegezustand bei einem bis zwei Jahren.


    Verfasst von Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 10. August 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022, Schutzschuhe — Beuth Verlag (beuth.de)
    • DGUV Regel 112-191, Benutzung von Fuß- und Knieschutz — dguv.de
    • Elten GmbH, Produktdokumentation und Technologiebeschreibungen — elten.com
  • Sicherheitsschuhe für Anlagenmechaniker (SHK): Anforderungen an Schutz, Komfort und Hygiene im Installationsalltag

    Anlagenmechaniker im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) brauchen Sicherheitsschuhe, die zwei scheinbar gegensätzliche Anforderungen gleichzeitig erfüllen: zuverlässigen Schutz auf der Baustelle und ausreichend Komfort für stundenlanges Arbeiten auf engem Raum — unter Badewannen, hinter Heizkörpern, in Installationsschächten. Die Schutzklasse S3 nach EN ISO 20345:2022 gilt im SHK-Handwerk als gängige Empfehlung, weil sie Stahlkappe, durchtrittsichere Sohle und Wasserdichtigkeit kombiniert.


    Was Anlagenmechaniker von einem Sicherheitsschuh wirklich verlangen

    Der SHK-Alltag ist kein einheitlicher Arbeitsplatz. Morgens Rohrleitungen auf der Großbaustelle verlegen, mittags Heizungsinstallation im Altbau, nachmittags eine Badezimmersanierung im bewohnten Haus — der Schuh muss alle drei Situationen tragen. Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen.

    Welche Schutzklasse ist im SHK-Handwerk sinnvoll?

    Die Norm EN ISO 20345:2022 definiert Sicherheitsschuhe mit Zehenkappenprüfung bei 200 Joule Aufprallenergie als Mindestanforderung für alle Klassen. Im SHK-Handwerk sind vor allem diese Klassen relevant:

    Schutzklasse Kernmerkmale Typischer SHK-Einsatz
    S1P Geschlossene Ferse, antistatisch, durchtrittsicher Leichte Montagearbeiten, trockene Innenräume
    S2 Wie S1 plus Wasserdichtigkeit des Schaftes Feuchte Keller, Heizungskeller
    S3 Wie S2 plus durchtrittsichere Einlage (Stahl/Komposit), profilierte Laufsohle Baustelle, Außenbereich, Schlamm/Matsch
    S3 SRC Wie S3 plus kombinierte Rutschhemmung auf Keramik (SRA) und Stahl (SRB) Geflieste Bäder, nasse Böden

    Wer regelmäßig auf Baustellen mit unebenem Untergrund und losem Material arbeitet, ist mit S3 gut aufgestellt. Der Zusatz SRC (rutschhemmend auf Keramikfliesen und Stahl) ist im SHK-Kontext besonders relevant, weil Badezimmerböden und Heizungskeller nasse Fliesen bedeuten können.

    Durchtrittsicherheit meint den Schutz vor spitzen Gegenständen von unten — Nägel, Schrauben und Montagestücke gehören zum typischen SHK-Arbeitsumfeld. Moderne Schuhe setzen statt Stahleinlage zunehmend auf Textilverbundwerkstoffe (Komposit), die leichter sind und keine Kälteleitung durch die Sohle verursachen.

    Passform und Komfort: Warum das keine Nebensache ist

    Ein SHK-Monteur steht und kniet häufig gleichzeitig — der Schuh muss das mitmachen. Entscheidend sind:

    • Niedrige Bauform oder Halbschaft? Im Badbereich, wo häufiges Knien erforderlich ist, kann ein niedrig geschnittener Schuh mehr Bewegungsfreiheit bieten. Auf der Baustelle bietet ein Halbschaft mehr Knöchelstabilität.
    • Gewicht: Schwere Sicherheitsschuhe ermüden über einen langen Arbeitstag spürbar. Komposit-Kappen aus Glas- oder Aramidfaser sind deutlich leichter als Stahlkappen bei gleichem Schutzgrad.
    • Fußbett und Dämpfung: Wer viel auf Betonböden oder Estrich arbeitet, braucht ein stoßdämpfendes Fußbett. Einige Modelle bieten auswechselbare Einlagen — wichtig bei individuellen Fußproblemen (Hinweis: Orthopädische Zurichtungen sind nach DGUV Regel 112-191 nur durch zertifizierte Fachbetriebe möglich; der Schuh muss dafür baumustergeprüft und freigegeben sein).
    • Schnürsystem: Schnellverschlüsse oder BOA-Systeme erleichtern das An- und Ausziehen, was bei mehrfach täglichem Schuhwechsel — etwa vor dem Betreten frisch sanierter Badezimmer — Zeit spart.

    Hygiene im Wohnumfeld: ein oft unterschätzter Faktor

    SHK-Monteure arbeiten häufig in bewohnten Häusern und Wohnungen. Schmutz und Dreck aus dem Keller oder von der Baustelle haben auf frisch verlegten Fliesen nichts verloren. Zwei Ansätze haben sich bewährt:

    Schutzüberzüge (Schuhüberzieher) sind eine schnelle Lösung, setzen aber einen Schuh voraus, der sich einfach überziehen lässt — glatte Oberfläche, keine störenden Ösen oder Schnallen außen.

    Zweischuh-Strategie: Viele erfahrene SHK-Monteure führen zwei Paar mit — einen robusten S3 für die Baustelle, einen leichteren S1P oder Halbschuh für saubere Innenarbeiten. Das verlängert auch die Lebensdauer beider Schuhe.

    Das Obermaterial beeinflusst die Pflegeaufwändigkeit erheblich. Glattleder lässt sich leichter reinigen als Nubukleder oder textile Oberflächen. Synthetische Materialien wie Mikrofaser bieten gute Feuchtigkeitsregulierung und trocknen schneller als vollständiges Leder.

    Feuchtigkeitsmanagement und Atmungsaktivität

    Im SHK-Handwerk ist der Schuh oft nass — von außen durch Wasser bei Leitungsarbeiten, von innen durch Schweiß. Schuhe mit einem Membransystem (z. B. Gore-Tex® — eine vollständig wasserdichte und atmungsaktive Membrantechnologie von W. L. Gore & Associates) halten Wasser von außen ab und lassen Feuchtigkeit von innen entweichen. Das klingt simpel, ist aber entscheidend für Fußgesundheit bei langen Schichten.

    Wer keinen Membranschuh trägt, sollte auf ein gutes Futter aus feuchtigkeitstransportierenden Materialien achten und Funktionssocken einplanen — synthetische oder Merinowolle statt Baumwolle.

    ESD-Schutz: relevant bei bestimmten SHK-Tätigkeiten

    ESD (Electrostatic Discharge, elektrostatische Entladung) — Schuhe mit ESD-Eigenschaft leiten statische Aufladung kontrolliert ab und verhindern Funkenbildung. Im SHK-Bereich ist ESD vor allem relevant, wenn Arbeiten in der Nähe von Gasanlagen oder explosionsgefährdeten Bereichen (Ex-Zonen) durchgeführt werden. In der Praxis sind ESD-Schuhe im SHK-Alltag nicht in jedem Fall erforderlich — die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers entscheidet.


    Worauf beim Kauf achten: Checkliste für SHK-Monteure

    • Schutzklasse passend zur Haupttätigkeit (S3 SRC für gemischten Einsatz)
    • Komposit- oder Stahlkappe je nach Gewichtspräferenz
    • Membransystem bei regelmäßigen Nassarbeiten
    • Niedriges Schuhgewicht für lange Tragezeiten
    • Pflegeleichtes Obermaterial für bewohntes Umfeld
    • Auswechselbares Fußbett für individuelle Anpassung
    • SRC-Rutschhemmung für nasse Fliesen

    FAQ

    Welche Schutzklasse brauchen Anlagenmechaniker (SHK) auf der Baustelle?

    Auf Baustellen mit losem Material, Nägeln und nassem Untergrund empfiehlt sich S3 nach EN ISO 20345:2022 — diese Klasse kombiniert durchtrittsichere Einlage, Wasserbeständigkeit des Schaftes und eine profilierte Laufsohle. Der Zusatz SRC ist sinnvoll, weil er Rutschhemmung sowohl auf nassen Keramikfliesen (SRA) als auch auf nassem Stahl (SRB) nachweist — beides kommt im SHK-Alltag vor. Die endgültige Festlegung trifft die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers.

    Sind Komposit-Kappen genauso sicher wie Stahlkappen?

    Ja — Komposit-Kappen aus Glas- oder Aramidfaser erfüllen dieselbe Aufprallenergie-Anforderung von 200 Joule nach EN ISO 20345:2022 wie Stahlkappen. Ihr Vorteil: geringeres Gewicht, keine Kälteleitung bei kalten Böden, keine Metalldetektorrelevanz. Im Hochbau und bei schwerem Materialtransport bleibt die Stahlkappe eine bewährte Wahl; für leichtere Montagearbeiten ist Komposit eine praktische Alternative.

    Wie oft müssen Sicherheitsschuhe im SHK-Betrieb ersetzt werden?

    Eine pauschale Nutzungsdauer gibt die EN ISO 20345 nicht vor. In der Praxis empfehlen Hersteller häufig eine Prüfung nach 12 Monaten intensivem Einsatz — sichtbarer Verschleiß an Sohle oder Kappe, Materialermüdung und nachlassende Rutschhemmung sind Zeichen, dass ein Ersatz fällig ist. Schichtarbeit, Nassarbeit und häufige Kniend-Tätigkeiten beschleunigen den Verschleiß. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, gebrauchsfähige PSA zur Verfügung zu stellen.

    Dürfen SHK-Monteure orthopädische Einlagen in Sicherheitsschuhe einbauen?

    Ja, aber mit Einschränkungen. Die orthopädische Zurichtung oder das Einbringen von Einlagen ist nach DGUV Regel 112-191 nur durch zertifizierte Fachbetriebe zulässig. Zusätzlich muss der Schuh für diese Maßnahme baumustergeprüft und ausdrücklich freigegeben sein. Eigeninitiativ eingebaute Einlagen können die Schutzfunktion beeinträchtigen und die Zertifizierung ungültig machen.

    Macht ein Membranschuh (z. B. Gore-Tex®) bei SHK-Arbeiten Sinn?

    Bei regelmäßigen Nassarbeiten — Leitungssanierungen, Kellermontage, Außenarbeiten — leistet ein Membranschuh spürbar mehr als ein herkömmlicher Sicherheitsschuh: Wasser bleibt außen, Schweiß kann entweichen. Gore-Tex® ist eine vollständig wasserdichte und atmungsaktive Membrantechnologie; vergleichbare Systeme anderer Hersteller funktionieren nach demselben Prinzip. Bei überwiegend trockener Innenarbeit ist die Membran kein zwingendes Kriterium — hier kann Atmungsaktivität ohne volle Wasserdichtigkeit die bessere Wahl sein.


    Glossar

    EN ISO 20345:2022

    Die internationale Norm EN ISO 20345:2022 legt Mindestanforderungen an Sicherheitsschuhe fest, darunter die Zehenkappenprüfung mit 200 Joule Aufprallenergie, Rutschhemmung und zusätzliche Schutzmerkmale je nach Klasse (S1 bis S3). Sie löst ältere Normfassungen ab und gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen als Grundlage für die PSA-Kennzeichnung.

    SRC (Slip Resistance Combined)

    SRC ist das Rutschhemmungs-Prüfkennzeichen nach EN ISO 20345, das Schuhe ausweisen, die sowohl auf nassen Keramikfliesen (SRA) als auch auf nassem Stahlblech mit Natriumlaurylsulfat-Lösung (SRB) geprüft wurden. Für SHK-Monteure besonders relevant, weil beide Untergründe im Arbeitsalltag auftreten.

    Komposit-Kappe

    Komposit-Kappen bestehen aus nicht-metallischen Hochleistungsfasern wie Glasfaser oder Aramidfaser. Sie erfüllen dieselben Schutzanforderungen nach EN ISO 20345 wie Stahlkappen, sind aber leichter, leiten keine Kälte und lösen keine Metalldetektoren aus. Besonders bei langen Tragezeiten und wechselnden Temperaturen ein relevanter Vorteil gegenüber klassischem Stahl.


    TL;DR

    • S3 SRC nach EN ISO 20345:2022 ist für gemischte SHK-Tätigkeiten (Baustelle + bewohntes Umfeld) die gängige Empfehlung.
    • Komposit-Kappen sind gleichwertig zu Stahl, aber leichter und kälteneutral.
    • Membransysteme (z. B. Gore-Tex®) schützen bei Nassarbeiten von außen und ermöglichen Feuchtigkeitsabgabe von innen.
    • Hygienekonzept im Wohnumfeld: Schuhüberzieher oder Zweischuh-Strategie reduzieren Verschmutzung.
    • Orthopädische Zurichtungen nur durch zertifizierte Fachbetriebe und nur bei freigegebenem Schuhmodell (DGUV Regel 112-191).

    Nächster Schritt

    Wer die passenden Sicherheitsschuhe für den SHK-Einsatz konkret vergleichen möchte, findet das aktuelle Sortiment in der Sicherheitsschuhe-Kategorie auf genxtreme.de — gefiltert nach Schutzklasse, Obermaterial und Hersteller. Wer unsicher ist, welche Klasse für die eigene Gefährdungsbeurteilung passt, findet im Ratgeber zu Sicherheitsschuhen auf genxtreme.de eine strukturierte Entscheidungshilfe.


    Autor: Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 7. Oktober 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022 — Persönliche Schutzausrüstung — Sicherheitsschuhe (iso.org)
    • DGUV Regel 112-191 — Benutzung von Fuß- und Knieschutz (dguv.de)
    • W. L. Gore & Associates — Gore-Tex® Produkttechnologie (gore.com)

    Aktualisiert am 07.10.2026: Angabe zu S2 korrigiert (kein Durchtrittschutz)

  • Atmungsaktive Sicherheitsschuhe: Was steckt hinter dem Begriff und welche Normen sind relevant?

    Atmungsaktive Sicherheitsschuhe leiten Feuchtigkeit aus dem Schuh nach außen ab, während Schutzfunktionen wie Zehenschutz und Durchtrittsschutz vollständig erhalten bleiben — geregelt durch EN ISO 20345:2022. Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Sicherheitsschuhen liegt im verwendeten Material und im Aufbau der Laufsohle: Nur wenn Obermaterial, Futter und Zwischensohle zusammenspielen, entsteht echte Feuchtigkeitsregulierung.


    Was bedeutet „atmungsaktiv" bei Sicherheitsschuhen konkret?

    „Atmungsaktiv" ist kein Normenbegriff, sondern ein Marketingbegriff — und das führt in der Praxis zu Verwirrung. Technisch beschreibt er die Wasserdampfdurchlässigkeit eines Schuhsystems. Schwitzender Fuß produziert Wasserdampf; atmungsaktive Materialien transportieren diesen Dampf durch das Obermaterial nach außen, bevor er als Feuchtigkeit kondensiert.

    Für Sicherheitsschuhe stellt das eine besondere Herausforderung dar: Durchtrittsschutzeinlagen aus Stahl oder Textil sowie verstärkte Kappen verändern die Luftzirkulation im Schuh. Hersteller lösen das auf unterschiedliche Weise — durch perforierte Lederzonen, spezielle Membranen oder hochporöse Synthetikgewebe im Obermaterial.

    Welche Materialien ermöglichen Atmungsaktivität?

    Gore-Tex® (expandiertes Polytetrafluorethylen, ePTFE): Gore-Tex® ist eine Membrantechnologie, bei der eine mikroporöse Schicht Wasserdampf durchlässt, flüssiges Wasser aber zurückhält. Die Membran sitzt als Bootskonstruktion im Schuh — sie umschließt den Fuß vollständig. Vorteil: Sicherheitsschuhe mit Gore-Tex®-Ausrüstung bleiben auch bei Pfützen oder Spritzwasser trocken. Nachteil: Die Membran reduziert den Luftaustausch im Vergleich zu nicht wasserdichten Ausführungen.

    Leder mit Microperforation: Vollnarbiges Rindleder oder Veloursleder wird mit feinen Perforationen versehen. Das steigert die Atmungsaktivität erheblich, macht den Schuh aber anfällig gegen Spritzwasser — für Arbeitsplätze ohne Nassbereich geeignet.

    Ripstop- und Mesh-Gewebe: Ripstop ist ein technisches Nylongewebe mit verstärktem Gittermuster, das Weiterrissen verhindert. Im Obermaterial von Sicherheitsschuhen eingesetzt, sorgt es für hohe Luftdurchlässigkeit bei gleichzeitiger Reißfestigkeit. Mesh-Einsätze erhöhen zusätzlich die Ventilation, gelten aber als weniger abriebresistent als Leder.

    Cordura: Cordura bezeichnet hochfestes Nylongewebe in verschiedenen Grammaturen. Es kombiniert Reißfestigkeit mit einem geringen Gewicht und taucht oft in Mischkonstruktionen auf, wo Leder zu schwer oder zu wenig atmungsaktiv wäre.


    Welche Normen gelten für Sicherheitsschuhe — und was regeln sie zur Atmungsaktivität?

    Die zentrale Norm ist EN ISO 20345:2022 — sie ersetzt die Vorgängerversion und legt Mindestanforderungen an persönliche Schutzausrüstung (PSA) für Sicherheitsschuhe fest. EN ISO 20345:2022 schreibt unter anderem Zehenschutz (200 Joule Aufprallenergie, 15 kN Drucklast), Anforderungen an die Laufsohle und ergonomische Eigenschaften vor.

    Zur Atmungsaktivität selbst macht EN ISO 20345:2022 keine direkte Mindestvorschrift — sie definiert aber Prüfmethoden für Wasserdampfdurchlässigkeit und Wasserdampfaufnahmefähigkeit des Futters. Hersteller, die diese Werte ausweisen, ermöglichen einen transparenten Vergleich.

    Schutzklassen im Überblick

    Schutzklasse Grundanforderungen Typische Einsatzbereiche
    S1 Zehenschutz, antistatisch, Kraftstoffresistenz, Energieabsorption Fersenbereich Leichte Industrie, Lager (trockene Umgebung)
    S1P S1 + Durchtrittsschutz Bau, Handwerk, Logistik
    S2 S1 + Wasserdurchdringungsschutz Obermaterial Nassere Arbeitsumgebungen
    S3 S2 + Durchtrittsschutz + profilierte Laufsohle Bau, Außengelände, Forstwirtschaft
    S5 S3 + Wasserdichtigkeit (Stiefel) Kanalarbeiten, Landwirtschaft, starke Nassbelastung

    Atmungsaktive Ausführungen gibt es vor allem in den Klassen S1, S1P und S3 — bei S3 jedoch mit dem Zielkonflikt, dass das Obermaterial wasserabweisend ausgerüstet sein muss, was die Dampfdurchlässigkeit einschränkt.

    Was bedeuten die Zusatzkennzeichnungen WR, CI und CT?

    Neben der Schutzklasse tragen viele Sicherheitsschuhe Zusatzkennzeichnungen:

    • WR (Water Resistant): Das Obermaterial widersteht Wasserdurchdringung im Biegetest. Schränkt die Atmungsaktivität oft spürbar ein.
    • CI (Cold Insulation): Wärmedämmung — relevant für Kältearbeitsplätze, kombinierbar mit atmungsaktiven Materialien.
    • CT (Chainsaw Protection): Kettensägenschutz, geregelt durch EN ISO 17249 (löst EN 381 ab) — bei Forstarbeiten je nach Gefährdungsbeurteilung erforderlich.

    Wann lohnen atmungsaktive Sicherheitsschuhe besonders?

    Arbeiten mit hoher körperlicher Belastung — langes Stehen, Gehen, Montage, Lagertätigkeiten — erzeugen erhebliche Fußwärme. Feuchte Füße im Schuh begünstigen Druckstellen, Blasen und langfristig Hautpilz. Atmungsaktive Sicherheitsschuhe reduzieren dieses Risiko, indem sie den Feuchtigkeitsstau minimieren.

    Für Außenbaustellen mit Pfützen und Spritzwasser gilt: Eine Gore-Tex®-Membran erhält die Schutzfunktion und gibt gleichzeitig Wasserdampf ab — der Kompromiss ist ein etwas geringeres Atmungsvolumen als bei perforierten Lederschuhen ohne Membran.

    Für trockene Innenräume — Produktionshallen, Lager, Labore — reichen Schuhe mit perforiertem Obermaterial oder Mesh-Konstruktionen oft aus und bieten deutlich höhere Luftzirkulation.

    Wie erkenne ich einen wirklich atmungsaktiven Sicherheitsschuh?

    Achte beim Kauf auf konkrete Herstellerangaben zur Wasserdampfdurchlässigkeit (in g/m²·24h). Werbeaussagen wie „extra belüftet" ohne Kennzahl oder Normbezug sind nicht überprüfbar. Verlässliche Orientierung bieten:

    • Ausgewiesene Wasserdampfdurchlässigkeit im Datenblatt
    • Bekannte Membranen (z. B. Gore-Tex®) oder geprüfte Alternativen
    • Materialangaben zu Obermaterial und Futter (Textilfutter ist wärmer, Lederfutter reguliert besser)

    Pflege erhält die Atmungsaktivität

    Sicherheitsschuhe mit atmungsaktiven Eigenschaften verlieren ihre Funktion, wenn Poren durch Schmutz oder ungeeignete Pflegemittel verstopft werden. Konkrete Pflegehinweise:

    • Schuhe regelmäßig von Schmutz befreien, bevor Ablagerungen eintrocknen
    • Ausschließlich atmungsaktiv-geeignete Imprägniersprays verwenden — lösungsmittelhaltige Lederpflege kann Membranen beschädigen
    • Schuhe bei Raumtemperatur trocknen lassen, nicht direkt an Heizungen (Hitzeschäden an Klebungen und Membranen)
    • Einlegesohlen regelmäßig wechseln — ein Großteil der Feuchtigkeitsspeicherung findet in der Einlegesohle statt

    Orthopädische Einlagen und atmungsaktive Sicherheitsschuhe

    Wer orthopädische Einlagen benötigt, sollte vor dem Kauf prüfen, ob der gewünschte Sicherheitsschuh für orthopädische Zurichtungen freigegeben ist — das bedeutet, die Baumusterprüfung des Schuhs muss das ausdrücklich einschließen. Die orthopädische Zurichtung darf laut DGUV Regel 112-191 ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe erfolgen. Herausnehmbare Einlegesohlen erleichtern das Einpassen individueller Einlagen erheblich und beeinflussen das Klima im Schuh positiv.


    Glossar

    Gore-Tex®: Membrantechnologie auf Basis von expandiertem Polytetrafluorethylen (ePTFE), bei der Milliarden Mikroporen Wasserdampf nach außen lassen, flüssiges Wasser jedoch zurückhalten. In Sicherheitsschuhen wird Gore-Tex® meist als Bootskonstruktion verbaut, die den gesamten Fußbereich umschließt.

    Ripstop: Technisches Nylongewebe mit regelmäßig eingeflochtenen Verstärkungsfäden, die ein Weiterreißen von Einrissen verhindern. Im Obermaterial von Sicherheitsschuhen bietet Ripstop hohe Luftdurchlässigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht.

    EN ISO 20345:2022: Europäische Norm für persönliche Schutzausrüstung — Sicherheitsschuhe. Sie legt Mindestanforderungen an Zehenschutz, Sohlenkonstruktion, Rutschhemmung und weitere sicherheitsrelevante Eigenschaften fest und definiert Prüfverfahren, darunter auch Methoden zur Messung der Wasserdampfdurchlässigkeit des Futters.


    TL;DR

    • „Atmungsaktiv" ist kein Normenbegriff — maßgebend ist die nach EN ISO 20345:2022 gemessene Wasserdampfdurchlässigkeit.
    • Gore-Tex® kombiniert Wasserbeständigkeit mit Feuchtigkeitsableitung; perforiertes Leder und Mesh bieten mehr Luftzirkulation, aber weniger Schutz gegen Nässe.
    • Schutzklasse und Einsatzbedingungen (trocken vs. nass, innen vs. außen) bestimmen, welche Kombination aus Atmungsaktivität und Schutzfunktion passt.
    • Pflege erhält die Funktion: atmungsaktiv-geeignete Imprägniermittel, kein Trocknen an der Heizung.
    • Orthopädische Einlagen nur in Schuhen mit entsprechender Freigabe in der Baumusterprüfung — Zurichtung durch zertifizierte Fachbetriebe gemäß DGUV Regel 112-191.

    Nächster Schritt

    Wer konkrete Modelle mit ausgewiesener Atmungsaktivität sucht, findet eine kuratierte Auswahl in der Kategorie Sicherheitsschuhe auf genxtreme.de. Wer zwischen Schutzklassen abwägt, findet im Ratgeber Sicherheitsschuhe auf genxtreme.de eine strukturierte Entscheidungshilfe nach Einsatzbereich.


    FAQ

    Was bedeutet atmungsaktiv bei Sicherheitsschuhen?

    Atmungsaktiv beschreibt die Fähigkeit eines Schuhsystems, Wasserdampf (Schweißfeuchtigkeit) von innen nach außen zu transportieren. Das geschieht über das Obermaterial, das Futter oder eine Membran wie Gore-Tex®. Der Begriff ist kein definierter Normenbegriff — verlässliche Vergleichswerte liefert die Wasserdampfdurchlässigkeit in g/m²·24h, die seriöse Hersteller im Produktdatenblatt ausweisen.

    Welche Schutzklasse ist atmungsaktiv am besten kombinierbar?

    Sicherheitsschuhe der Klasse S1 und S1P lassen sich am einfachsten mit hoher Atmungsaktivität kombinieren, da das Obermaterial nicht zwingend wasserabweisend ausgerüstet sein muss. Bei S3 schränkt die geforderte Wasserdurchdringungsresistenz des Obermaterials die Dampfdurchlässigkeit ein — Membrankonstruktionen wie Gore-Tex® bieten hier den besten Kompromiss.

    Verliert ein atmungsaktiver Sicherheitsschuh seine Funktion mit der Zeit?

    Ja, wenn die Poren des Obermaterials oder der Membran durch Schmutz, ungeeignete Pflegemittel oder mechanischen Abrieb verstopfen. Regelmäßige Reinigung und die Verwendung atmungsaktiv-geeigneter Imprägniersprays erhalten die Funktion. Einlegesohlen sollten separat gewechselt werden, da sie einen erheblichen Teil der Feuchtigkeitsaufnahme übernehmen.

    Darf ich in atmungsaktive Sicherheitsschuhe orthopädische Einlagen einlegen?

    Das hängt von der Freigabe des jeweiligen Schuhmodells ab. Die Baumusterprüfung muss die Verwendung orthopädischer Einlagen ausdrücklich einschließen. Die Zurichtung darf gemäß DGUV Regel 112-191 ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe vorgenommen werden — eigenhändige Modifikationen am Schuh können den Schutzstatus aufheben.

    Ist Gore-Tex® in Sicherheitsschuhen wasser- und gleichzeitig dampfdurchlässig?

    Gore-Tex®-Membranen sind wasserdicht und gleichzeitig wasserdampfdurchlässig — flüssiges Wasser kann die Membran nicht durchdringen, Wasserdampf hingegen schon. In Sicherheitsschuhen wird die Membran typischerweise als vollständige Bootskonstruktion verbaut, sodass auch die Nähte und der Übergangsbereich zur Sohle geschützt sind. Der Grad der Dampfdurchlässigkeit liegt durch die Membranschicht etwas unter dem Wert ungeschützter perforierter Konstruktionen.


    Autor: Michael Korinek, Sales Management — Aktualisiert am: 7. Oktober 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022 — Persönliche Schutzausrüstung: Sicherheitsschuhe (ISO 20345:2021); iso.org
    • DGUV Regel 112-191: Benutzung von Fuß- und Knieschutz; dguv.de
    • Gore-Tex® Technologies Produktinformation; gore-tex.com

    Aktualisiert am 07.10.2026: Norm für Schnittschutzstiefel korrigiert (EN ISO 17249)

  • HAIX vs. LOWA Sicherheitsschuhe S3: Unterschiede in Schafthöhe, Membran und Einsatzprofil

    HAIX und LOWA sind zwei deutsche Hersteller, die Sicherheitsschuhe der Schutzklasse S3 nach EN ISO 20345 in klar unterschiedlichen Philosophien bauen: HAIX setzt auf hohe Schäfte, eigene HAIX-Klimasystem-Membran und Einsatzprofile aus Feuerwehr und Rettungsdienst; LOWA entwickelt seine S3-Modelle aus der Bergsport-DNA heraus mit Gore-Tex®-Membran und ausgeprägtem Gelände-Grip. Welche Marke besser passt, hängt vom konkreten Arbeitsplatz, der Geländeform und dem Tragekomfort-Profil ab.


    Was unterscheidet HAIX und LOWA bei Sicherheitsschuhen grundsätzlich?

    Beide Marken fertigen S3-zertifizierte Sicherheitsschuhe — das heißt: Stahlkappe oder Verbundkappe, durchtrittsichere Sohle (SRC-Slip-Resistenz), Energieaufnahme im Fersenbereich, geschlossene Fersenkappe und Wasserdichtigkeit nach EN ISO 20345. Innerhalb dieser Norm unterscheiden sie sich jedoch erheblich in der Herkunft der Lösungen.

    HAIX kommt aus Mainburg in Bayern und hat jahrzehntelange Erfahrung mit Einsatzstiefeln für Feuerwehr, THW und Bundeswehr. Diese Expertise fließt direkt in die zivilen Sicherheitsschuh-Linien ein: robuste Schäfte, strukturierte Schnürsysteme und thermisch isolierte Konstruktionen.

    LOWA hat seinen Ursprung im alpinen Schuhbau. Die Werkzeugmacher-Philosophie zeigt sich in präzise gefrästen Leisten, Bergsteiger-tauglichen Profilen und Kooperationen mit Gore-Tex®. Für Arbeitsplätze mit Gelände-Anteil — Forstarbeit, Gleisbau, unebenes Außengelände — bringt LOWA diese Kompetenz direkt mit.


    Schafthöhe: Wann brauche ich einen hohen Schaft?

    Die Schafthöhe beeinflusst Knöchelschutz, Stabilität und Tragegefühl direkt. Ein hoher Schaft (oberhalb des Knöchels, typisch 16–25 cm) schützt bei unebenem Untergrund, schützt den Knöchel vor Umknicken und dichtet gegen eindringendes Wasser, Schlamm oder Späne von oben ab.

    HAIX bietet seine S3-Modelle häufig als Halbstiefel oder Stiefel mit Schaft ab ca. 15 cm aufwärts an. Die Modelle aus dem Einsatz-Segment, etwa die HAIX Fire Flash- oder Safety-Linien, erreichen Schafthöhen von 20 cm und mehr. Das passt zu Einsätzen mit hoher mechanischer Belastung, Trümmergeländen oder Bereichen mit Spritzwasser von oben.

    LOWA ergänzt seine Sicherheitsschuh-Linie mit Modellen im Halbstiefel-Format (ca. 12–16 cm). Sie eignen sich für Arbeitsplätze, die Gelände-Grip und Knöchelführung verlangen, aber keinen vollständigen Schaftschutz benötigen — Gleisbau, Forstwirtschaft, Tiefbau auf natürlichem Untergrund.

    Kurz: Wer auf strukturiertem Industrieboden oder in Hallen arbeitet, kommt mit einem niedrigen Schaft aus. Wer unebenes Gelände, Schuttflächen oder häufige Treppenarbeit hat, profitiert vom höheren Schaft — hier haben HAIX-Modelle meist die Nase vorn in der Auswahl.


    Membrantechnologie: HAIX-Klimasystem vs. Gore-Tex® bei LOWA

    Wasserdichtigkeit in S3-Schuhen kann über zwei Wege erreicht werden: eine eingenähte Membran im Schaft oder eine vollständig verklebte/gestrobelte Konstruktion mit Membranfutter.

    HAIX verwendet in vielen Modellen das hauseigene HAIX-Klimasystem — eine Membran-Bootskonstruktion, die den gesamten Fußbereich umschließt. HAIX gibt an, dass dieses System auch bei längerem Stehen in Nässe dicht bleibt. Zusätzlich setzt HAIX auf hochfrequenz-geschweißte Nähte in wasserkritischen Bereichen.

    LOWA arbeitet in seinen S3-Modellen mit Gore-Tex® Extended Comfort (GTX). Gore-Tex® ist eine expandierte Polytetrafluorethylen-Membran (ePTFE), die wasserdicht und gleichzeitig dampfdurchlässig ist — der Hersteller gibt für GTX-Schuhe eine dauerhaft wasserdichte Leistung an, solange Membran und Nahtabdichtung intakt sind.

    Praktischer Unterschied: Gore-Tex® gilt als besonders atmungsaktiv bei körperlicher Belastung; die HAIX-Bootskonstruktion ist oft robuster bei mechanischer Belastung der Schaftnaht. Wer viel schwitzt und gleichzeitig nasses Gelände hat, findet in LOWA GTX häufig eine ausgeglichenere Klimabilanz. Wer in Schlamm stapft und Schaftnaht-Belastung durch Bewegung hat, ist mit dem HAIX-System oft sicherer.


    Einsatzprofil: Welche Marke passt zu welchem Beruf?

    Einsatzbereich Empfehlung Begründung
    Feuerwehr / THW / Einsatzdienste (zivile Sicherheit) HAIX Hoher Schaft, thermische Isolation, Einsatz-Schnürsystem
    Forstwirtschaft, Revierpflege LOWA Gelände-Profil, alpines Leisten-Know-how, GTX-Atmungsaktivität
    Gleisbau, Tiefbau auf Naturuntergrund LOWA oder HAIX Halbstiefel Grip-Sohle, Knöchelführung, Wasserdichtigkeit
    Logistik, Hallenbetrieb HAIX oder LOWA niedrig Hier entscheidet Tragekomfort, nicht Schafthöhe oder Gelände-Profil
    Baustelle mit schwerem Gerät HAIX mit Verbundkappe Gewicht relevant, HAIX-Modelle oft leichter durch Thermoplast-Kappen

    Passform und Leistenform: Was trage ich besonders lange?

    HAIX verwendet einen eher breiten, anatomisch geformten Leisten. Das kommt Personen mit breitem Fußrücken oder leicht orthopädischer Einlage zugute. Viele HAIX-Modelle lassen sich durch herausnehmbare Innensohlen anpassen.

    LOWA baut auf einem schmaleren, bergschuh-typischen Leisten. Dieser gibt mehr Führung am Fußgewölbe und eignet sich für Personen mit schmalem bis normalem Fuß sowie für Arbeitsplätze, an denen präzise Tritt-Kontrolle gefragt ist — Leitern, Gerüste, unebene Felsen.

    Vor dem Kauf: Im stationären Fachhandel oder per Größenberatung des Online-Shops beide Marken durchmessen. Sicherheitsschuhe sollten im Zehenbereich ca. 1 cm Luft lassen, der Schaft darf am Knöchel nicht drücken.


    Auswahl-Checkliste: Das solltest du vor dem Kauf klären

    • Untergrund: Halle/Betonboden vs. Gelände/Naturuntergrund → Letzterem helfen profilstärkere LOWA-Sohlen
    • Schafthöhe: Häufiges Umknicken möglich oder Schmutz/Wasser von oben → höherer HAIX-Schaft sinnvoll
    • Membran: Körperlich anstrengende Arbeit mit viel Schweiß → GTX bei LOWA; mechanisch belastete Nähte → HAIX-Bootskonstruktion
    • Kappentyp: Stahlkappe (günstig, schwer) vs. Verbundkappe (leichter, kein Kälteleiter) — je nach Modell bei beiden Marken verfügbar
    • Fußform: Breiter Fuß → HAIX; schmaler bis normaler Fuß → LOWA
    • Einsatzprofil laut Gefährdungsbeurteilung: Der Arbeitgeber ist nach PSA-BV (D), PSA-V (A) bzw. VUV (CH) verpflichtet, die notwendige Schutzklasse festzulegen

    FAQ: HAIX vs. LOWA S3 Sicherheitsschuhe

    Sind HAIX S3-Schuhe schwerer als LOWA S3-Modelle?

    HAIX-Stiefel mit hohem Schaft wiegen in der Regel mehr als LOWA-Halbstiefel — schon wegen des größeren Schaftmaterials. Bei vergleichbarer Schafthöhe liegen beide Marken nah beieinander. Verbundkappen (Thermoplast oder Kevlar) reduzieren das Gewicht gegenüber Stahlkappen bei beiden Herstellern. Den genauen Gewichtswert findest du in den Produktdetails des jeweiligen Modells.

    Welche Membran hält länger dicht: Gore-Tex® oder das HAIX-Klimasystem?

    Beide Systeme sind auf Langlebigkeit ausgelegt, wenn der Schuh regelmäßig gepflegt wird. Gore-Tex® verliert Wasserdichtigkeit, wenn die äußere DWR-Imprägnierung nachlässt — nach jedem Reinigen neu imprägnieren. Das HAIX-Klimasystem ist als eingeschweißte Bootsstruktur weniger abhängig von der Außenimprägnierung, kann aber bei mechanischer Beschädigung der Nähte versagen. Beide Hersteller bieten Pflegeprodukte und Garantiebedingungen an.

    Kann ich HAIX- oder LOWA-Sicherheitsschuhe auch mit orthopädischen Einlagen tragen?

    Viele S3-Modelle beider Marken haben herausnehmbare Innensohlen und ausreichend Volumen für Standard-Einlagen. HAIX-Modelle mit breitem Leisten bieten dafür oft mehr Spielraum. Bei individuell angefertigten orthopädischen Einlagen empfiehlt sich eine Beratung beim Orthopädieschuhtechniker, der den jeweiligen Schuh vor dem Kauf auf Volumen prüft.

    Gilt S3 nach EN ISO 20345 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleich?

    Ja. EN ISO 20345 ist eine harmonisierte europäische Norm und gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz als technische Grundlage identisch. Unterschiede gibt es auf der Ebene der nationalen Vorschriften, die festlegen, wann und wo S3-Schuhe vorgeschrieben sind: In Deutschland regelt das die DGUV über Berufsgenossenschaften, in Österreich die AUVA nach ASchG, in der Schweiz die Suva nach VUV.

    Sind LOWA-Sicherheitsschuhe für die Forstwirtschaft geeignet, auch ohne Schnittschutz?

    LOWA bietet Sicherheitsschuhe sowohl mit als auch ohne Schnittschutz (EN ISO 17249) an. Für Kettensägenarbeiten ist Schnittschutz nach Gefährdungsbeurteilung in der Regel erforderlich — ein reiner S3-Schuh ohne Schnittschutz-Kennzeichnung reicht dort nicht aus. Für Revierpflege ohne Motorsäge kann S3 ohne Schnittschutz ausreichen; die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers entscheidet.


    Glossar

    S3 (Schutzklasse nach EN ISO 20345)
    S3 ist die umfangreichste Grundschutzklasse der Norm EN ISO 20345. Sie umfasst alle Anforderungen der Klassen S1 und S2 (Energieaufnahme Ferse, Kraftstoffbeständigkeit, geschlossene Fersenkappe, Wasserdichtigkeit) plus eine durchtrittsichere Einlage (P) und ein profiliertes Laufsohlen-System. SRC bezeichnet zusätzlich geprüfte Rutschhemmung auf Keramik- und Stahlboden.

    ePTFE-Membran (Gore-Tex®)
    Expandiertes Polytetrafluorethylen ist ein mikroporöser Kunststoff, dessen Poren kleiner als Wassertropfen, aber größer als Wasserdampf-Moleküle sind. Das ermöglicht Wasserdichtigkeit von außen bei gleichzeitiger Dampfdurchlässigkeit von innen. Gore-Tex® ist der bekannteste Markenname für ePTFE-Membranen im Schuhbereich.

    Verbundkappe
    Eine Verbundkappe ersetzt die klassische Stahlkappe in der Schuhspitze durch Materialien wie Thermoplast, Glasfaser oder Aramid (Kevlar). Sie erfüllt dieselben Stoß- und Druckschutzanforderungen nach EN ISO 20345 (200 Joule Aufprallenergie), ist aber leichter und leitet keine Kälte — ein Vorteil bei Außeneinsätzen in niedrigen Temperaturen.


    TL;DR

    • HAIX eignet sich besonders für Einsatzprofile mit hohem Schaftbedarf, mechanisch beanspruchten Nähten und breitem Fuß — Stärken aus dem Einsatzstiefel-Bereich.
    • LOWA punktet bei Gelände-intensiven Einsätzen, Forstwirtschaft und Gleisbau dank Bergschuh-Leisten und Gore-Tex®-Atmungsaktivität.
    • Beide Marken erfüllen EN ISO 20345 S3 — der Unterschied liegt in Schafthöhe, Membransystem, Leistenform und Einsatzprofil.
    • Schafthöhe: HAIX bietet mehr Auswahl in hohen Schaftmaßen; LOWA konzentriert sich auf Halbstiefel mit Gelände-Grip.
    • Welche PSA tatsächlich vorgeschrieben ist, legt die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers fest — nach DGUV (D), AUVA/ASchG (A) oder Suva/VUV (CH).

    Nächster Schritt

    Vergleiche aktuelle S3-Modelle beider Marken direkt im Sortiment: Im Sicherheitsschuhe S3-Überblick auf GenXtreme findest du gefilterte Auswahl nach Schafthöhe und Membran. Für Forstwirtschaft und Gelände lohnt ein Blick in die Forstsicherheitsschuhe bei GenXtreme, wo Schnittschutz und S3 kombiniert angeboten werden.


    Autor: GenXtreme Redaktion — Aktualisiert am: [[DATUM]]

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022 — Persönliche Schutzausrüstung: Sicherheitsschuhe — iso.org
    • Gore-Tex® Technologie-Informationen für Profis — gore-tex.com
    • DGUV Information 212-004: Auswahl und Benutzung von Fußschutz — dguv.de
  • S3-Sicherheitsschuhe auf der Baustelle: worauf es in der Schweiz ankommt

    KI Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz erstellt. Die abgebildeten Personen sind nicht real.

    Auf der Baustelle sind Sicherheitsschuhe der Kategorie S3 nach EN ISO 20345 Pflicht, sobald Risiken durch eindringendes Wasser, Durchstich oder instabilen Untergrund bestehen. S3-Schuhe kombinieren eine wasserdichte Schaftausführung, eine durststichhemmende Zwischensohle und eine profilierte, rutschhemmende Laufsohle — und erfüllen damit die Minimalanforderungen, die SUVA und EKAS (Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit) für die meisten Schweizer Baustellenberufe vorgeben.


    Wann sind S3-Sicherheitsschuhe auf der Baustelle vorgeschrieben?

    Die Pflicht zu S3-Schuhen entsteht nicht aus einem einzelnen Gesetz, sondern aus der Risikobeurteilung nach dem Schweizer Unfallversicherungsgesetz (UVG) und den Durchführungsvorschriften der SUVA. Konkret gilt: Überall dort, wo Nägel, Schrauben oder andere spitze Teile die Sohle durchdringen könnten — also auf Rohbaustellen, bei Abbrucharbeiten oder im Zimmerei-Bereich — ist S3 die Mindestanforderung. S1P-Schuhe bieten ebenfalls Durststichschutz, aber keine geschlossene Fersenkappe und oft keine wasserabweisende Schaftkonstruktion. Für Arbeiten im Freien bei feuchtem Untergrund empfiehlt die SUVA ausdrücklich S3.

    Die drei zentralen Einsatzbereiche für S3 auf Schweizer Baustellen:

    • Rohbau und Hochbau: Eisenbieger, Schalungsbauer, Betonbauer — überall liegen Nägel und Bewehrungsstahl auf dem Boden
    • Tiefbau und Erdarbeiten: Leitungsbau, Kanalisationsarbeiten, Strassenbau — nasser, lehmiger Untergrund und Scherbenrisiko
    • Dachdeckerei und Zimmerei: Schrauben, Holzsplitter, unebene Flächen in der Höhe

    Was bedeutet S3 genau — die Norm EN ISO 20345 erklärt

    EN ISO 20345 ist die europäische Norm für Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe. Sie gilt direkt in der Schweiz, da die Schweiz harmonisierte EU-Normen übernimmt. Die Schutzkategorie S3 setzt sich aus mehreren Einzelanforderungen zusammen:

    Eigenschaft S1 S1P S2 S3
    Geschlossene Fersenkappe ✓ ✓ ✓ ✓
    Antistatik ✓ ✓ ✓ ✓
    Kraftstoffbeständigkeit ✓ ✓ ✓ ✓
    Energieabsorption Fersenbereich ✓ ✓ ✓ ✓
    Durststichschutz (≥ 1100 N) — ✓ — ✓
    Wasserabweisung des Schafts — — ✓ ✓
    Profilierte Laufsohle — — — ✓
    Zehenschutzkappe (200 Joule) ✓ ✓ ✓ ✓

    Die Durststichhemmung bei S3 bedeutet: Die Zwischensohle widersteht einer Prüfkraft von mindestens 1100 Newton. Auf einer Rohbaustelle, wo ein Nagel unter dem Körpergewicht einer Person zur Bedrohung wird, ist das kein Komfort — das ist Prävention.


    Welche Zusatzschutzklassen gibt es bei S3-Schuhen?

    Über das S3-Basisniveau hinaus tragen viele Schuhe auf dem Markt weitere Kennzeichnungen:

    • WR (Water Resistant): Gesamtschuh wasserresistent, nicht nur der Schaft — sinnvoll für Tiefbauarbeiten bei Regen
    • CI (Cold Insulation): Kälteisolierung bis –17 °C, relevant für Winterbaustellen im Mittelland und in alpinen Lagen
    • HI (Heat Insulation): Hitzeisolierung, z. B. beim Asphaltieren
    • SRC: Höchste Rutschhemmung auf Keramikfliesen und Stahl — die sicherste Wahl auf nassem Betonboden
    • ESD: Elektrostatische Ableitung für Elektriker oder im Bereich haustechnischer Installationen

    Für eine alpine Winterbaustelle auf über 1000 m über Meer ist ein S3-Schuh mit CI- und WR-Kennzeichnung sinnvoller als ein reines S3-Modell ohne Kälteschutz.


    Wie wähle ich den richtigen S3-Schuh für die Baustelle aus?

    Material: Leder, Synthetik oder Textil?

    Vollnarbiges Rindleder bleibt das robusteste Obermaterial für den Baustelleneinsatz. Es ist mechanisch belastbar, hält Scheuern an Schalung und Bewehrung stand und lässt sich mit Pflegemitteln wasserdicht halten. Synthetische Materialien sind leichter, aber oft weniger abriebfest. Textilschäfte mit Membranen — etwa nach Gore-Tex®-Standard — bieten hohe Atmungsaktivität, verlieren aber schneller ihre Wasserresistenz bei starker mechanischer Belastung.

    Schaft: Knöchelschutz oder niedriges Profil?

    Hohe Schäfte (> 10 cm) schützen den Knöchel bei unebenem Gelände und bieten Schutz gegen eingedrungene Splitter von der Seite. Auf ebenen Industriebaustellen kann ein niedriger Schnürstiefel mit gutem Seitenabstützsystem die gleiche Stabilität bei weniger Gewicht bieten. Richtwert: Für Tiefbau und Rohbau gilt ein Schnürschaft von mindestens 14 cm als empfehlenswert.

    Passform und Ergonomie

    Ein Sicherheitsschuh, der drückt, wird nach drei Stunden abgezogen — das ist das reale Unfallrisiko. Folgende Punkte beim Kauf prüfen:

    • Zehenbox: Genug Platz zwischen Zehenschutzkappe und Zeh (Faustregel: eine Daumenbreite)
    • Fersenhalterung: Keine Druckpunkte am Achillessehnenbereich
    • Einlegesohle: Herausnehmbar und austauschbar, damit orthopädische Einlagen passen
    • Gewicht: Unter 600 g pro Schuh bei der meisten Baustellenarbeit erstrebenswert

    Schuhgrösse in der Schweiz

    Schweizer Grössen folgen dem europäischen System. Wichtig: Bei Winterschuhen eine halbe Grösse zugeben, wenn dicke Socken getragen werden. Viele Hersteller bieten Halbgrössen an — nutze das Angebot, denn ein schlecht sitzender Sicherheitsschuh ist kein Sicherheitsschuh.


    Pflege und Lebensdauer von S3-Schuhen

    Ein S3-Schuh auf der Baustelle hält bei konsequenter Pflege 12 bis 18 Monate. Ohne Pflege kann die Wasserabweisleistung bereits nach wenigen Wochen nachlassen. Konkrete Massnahmen:

    1. Nach jedem Arbeitstag: Schuh von grobem Schmutz befreien, nicht direkt an der Heizung trocknen (Leder reisst, Klebstoffe lösen sich)
    2. Wöchentlich: Lederschuhe mit feuchtigkeitsspendendem Lederfett behandeln, Wasserabweisung mit geeignetem Imprägnierspray auffrischen
    3. Monatlich: Laufsohle auf Risse und Verschleiss prüfen — besonders die Ferse, wo der Grossteil des Abdrucks entsteht
    4. Spätestens ersetzen, wenn: Die Profiltiefe unter 2 mm liegt, die Durststichhemmung durch Sohlenrisse nicht mehr gewährleistet ist oder die Zehenschutzkappe sichtbar verformt ist

    Der Ratgeber für Sicherheitsschuhe auf genxtreme.ch gibt weitere Orientierung zur Pflegepraxis und Lebensdauer.


    FAQ

    FAQ: Wann reicht S1P, und wann brauche ich zwingend S3?

    S1P-Schuhe bieten Durststichschutz, aber keinen wasserabweisenden Schaft und keine profilierte Laufsohle. Auf trockenen Innenbaustellen ohne Schlammrisiko kann S1P nach Risikobeurteilung ausreichen. Sobald Aussenarbeiten, nasser Untergrund oder Arbeiten im Freien dazukommen — was auf den meisten Schweizer Baustellen zutrifft —, verlangt die SUVA-Empfehlung S3. Im Zweifelsfall gilt: S3 ist immer die sicherere Wahl und verursacht keine Mehrkosten gegenüber S1P, die nicht durch weniger Unfälle amortisiert würden.

    FAQ: Muss mein Arbeitgeber in der Schweiz S3-Schuhe bezahlen?

    Ja. Nach Art. 11 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz (ArGV 3) und den SUVA-Richtlinien ist der Arbeitgeber verpflichtet, notwendige PSA — dazu gehören Sicherheitsschuhe — kostenlos bereitzustellen, wenn die Risikobeurteilung sie vorschreibt. Arbeitnehmer können die Kosten nicht auf den Lohn angerechnet bekommen. Viele Betriebe stellen ein Budget pro Mitarbeiter bereit, aus dem gezielt die passende Schuhklasse gewählt werden kann.

    FAQ: Gibt es für S3-Schuhe eine Norm-Prüfpflicht in der Schweiz?

    S3-Schuhe müssen die EN ISO 20345 erfüllen und eine CE-Kennzeichnung tragen. In der Schweiz gilt das Produktsicherheitsgesetz (PrSG), das CE-konforme Produkte zulässt. Eine zusätzliche Schweizer Eigenprüfung existiert nicht — die CE-Kennzeichnung ist der Nachweis. Kaufe ausschliesslich Schuhe mit nachweisbarer CE-Kennzeichnung und erkennbarer Normbezeichnung auf dem Schaft oder der Brandsohle.

    FAQ: Wie lange sind S3-Schuhe auf der Baustelle gültig bzw. einsetzbar?

    Eine gesetzlich vorgeschriebene Nutzungsdauer gibt es nicht. Massgebend ist der Zustand: Sobald Sohle, Durststichschutz oder Schaft nicht mehr die Normanforderungen erfüllen, muss der Schuh ersetzt werden. In der Praxis bedeutet das auf intensiv genutzten Baustellen alle 12–18 Monate. Arbeitgeber sollten den Zustand der PSA regelmässig dokumentieren — die SUVA empfiehlt jährliche Überprüfungen.

    FAQ: Sind S3-Schuhe mit Stahlkappe oder Kunststoffkappe besser für die Baustelle?

    Stahlkappen sind mechanisch robuster und tragen sich unter Dauerlast weniger, sind aber schwerer und leiten Kälte. Kunststoff- und Kompositkappen (z. B. aus glasfaserverstärktem Polyamid) sind leichter und kältedurchlässiger. Für alpine Winterbaustellen oder CI-Anforderungen ist die Kompositkappe die bessere Wahl. Auf dem reinen Rohbau in der Ebene sind Stahlkappen nach wie vor die robustere Option.


    Glossar

    EN ISO 20345: Europäische Norm für Sicherheitsschuhe mit Zehenschutzkappe. Sie definiert fünf Grundschutzklassen (S1 bis S5) mit steigenden Anforderungen an Durststichschutz, Wasserabweisung und Sohlenprofilierung. Die Norm gilt in der Schweiz als harmonisierter Standard und ist Grundlage für die CE-Kennzeichnung.

    Durststichschutz: Eigenschaft der Zwischensohle, einen senkrecht aufgebrachten Stich mit einer normierten Nadel bei einer Kraft von mindestens 1100 Newton standzuhalten. Relevant überall dort, wo Nägel, Drähte oder Schrauben auf dem Boden liegen — also auf praktisch jeder Baustelle im Rohbau.

    SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt): Staatliche Unfallversicherung und Präventionsbehörde der Schweiz. Die SUVA gibt Merkblätter und Branchenempfehlungen zur PSA-Pflicht heraus, u. a. für das Bauhauptgewerbe. Ihre Richtlinien sind für Betriebe mit obligatorischer SUVA-Versicherung verbindlich und bilden die Grundlage für Risikobeurteilungen.


    TL;DR

    • S3-Schuhe sind auf der Schweizer Baustelle die Mindestanforderung bei Aussenarbeiten, nassem Untergrund und Durststichrisiko — S1P reicht dort nicht.
    • EN ISO 20345 definiert S3 durch Durststichschutz (≥ 1100 N), wasserabweisenden Schaft und profilierte Laufsohle — alle drei Merkmale zusammen.
    • Zusatzkennzeichnungen wie CI (Kälte), WR (Wasserresistenz gesamt) und SRC (Rutschhemmung) sind für alpine oder winterliche Baustellen relevant.
    • Der Arbeitgeber trägt die Kosten — PSA ist nach Schweizer Recht Pflicht des Betriebs, nicht des Arbeitnehmers.
    • Ersetze Schuhe spätestens nach 18 Monaten intensiver Nutzung oder sobald Sohle oder Schaft sichtbar beschädigt sind.

    Nächster Schritt

    Passende S3-Modelle für den Baustelleneinsatz findest du in der Kategorie Sicherheitsschuhe S3 auf genxtreme.ch. Wer sich bei Grösse oder Schuhtyp unsicher ist, kann den Schuh-Ratgeber auf genxtreme.ch nutzen, um anhand von Einsatzbereich und Untergrundtyp die richtige Wahl zu treffen.


    Autor: GenXtreme Redaktion | Aktualisiert am: 12. Juni 2026

    Quellen:

    • EN ISO 20345:2022, Sicherheitsschuhe — Europäische Norm, iso.org
    • SUVA, Merkblatt «Persönliche Schutzausrüstung auf Baustellen», suva.ch
    • EKAS, Richtlinie Nr. 6508 «Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz», ekas.admin.ch
  • Sicher durch den Sommer: Die besten Sicherheitsschuhe für heiße Tage

    KI Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz erstellt. Die abgebildeten Personen sind nicht real.

    Sicherheitsschuhe für heiße Tage: Schutz und Kühle im Sommer

    Sicherheitsschuhe für heiße Tage müssen zwei Dinge gleichzeitig leisten: zuverlässigen Schutz nach EN ISO 20345 und ausreichend Luftzirkulation, damit Füße auch bei 35 Grad nicht überhitzen. Atmungsaktive Modelle mit Mesh-Futter, Ledersandalen im Halbschuh-Schnitt oder Schuhe mit klimaregulierendem Fußbett reduzieren das Schweißaufkommen spürbar. Welche Schutzklasse — S1, S1P oder S3 — für dich passt, hängt von deinem Einsatzort ab.


    Was bedeuten S1, S1P und S3 — und welche Klasse passt zum Sommer?

    EN ISO 20345 (europäische Norm für Sicherheitsschuhe) definiert Mindestanforderungen an Schutzklassen. Kurz erklärt:

    • S1 – geschlossene Ferse, antistatisch, kraftstoffbeständige Sohle, Zehenkappe aus Stahl oder Verbundwerkstoff. Kein Durchtrittschutz.
    • S1P – alles wie S1, plus Einlage gegen Nageldurchstich (mindestens 1.100 N Durchstichkraft nach Norm).
    • S3 – alles wie S1P, plus profilierte, wasserabweisende Sohle. Für Baustellen und Außenbereich.

    Im Sommer gilt: S1-Halbschuhe oder Sandalenmodelle in S1 eignen sich gut für Lager, Produktion und Werkstatt bei trockenen Böden. Wer auf Baustellen, in der Forstwirtschaft oder auf unebenen Außenflächen arbeitet, braucht S1P oder S3 — auch im Juli.


    Warum werden Sicherheitsschuhe im Sommer zum Problem?

    Herkömmliche Sicherheitsschuhe aus vollgenarbtem Leder oder Kunstleder haben eine geringe Dampfdurchlässigkeit. Das Fußinnere erreicht bei körperlicher Arbeit schnell 38–40 °C. Schweiß und Hitze zusammen begünstigen Blasen, Pilzinfektionen und Ermüdung.

    Drei Faktoren entscheiden über das Klima im Schuh:

    1. Obermaterial – Mesh-Gewebe oder perforiertes Leder lassen Feuchtigkeit nach außen.
    2. Futter – Textilfutter mit Feuchtigkeitstransport (z. B. Coolmax-Fasern) leitet Schweiß ab, Lederfutter reguliert natürlich.
    3. Fußbett – Wechselbare, antistatische Einlagen ermöglichen Trocknung über Nacht und reduzieren Geruch.

    Welche Marken liefern gute Sommer-Sicherheitsschuhe?

    Elten

    Elten (deutsches Unternehmen, Produktionsstandorte in Europa und Asien) bietet mit der Impulse Easy-Linie und dem Maddox-Modell atmungsaktive S1-Halbschuhe mit Textilmesh-Schaft. Das Airtex-Futter des Herstellers kombiniert Feuchtigkeitstransport mit antistatischer Ausrüstung. Für Außenbereich gibt es S3-Modelle mit Hydrophob-Behandlung des Mesh-Bereichs, sodass Atmungsaktivität und Regenschutz koexistieren.

    Lowa

    Lowa (bayerischer Hersteller, bekannt aus dem Bergstiefelbereich) überträgt seine Expertise in Klimamanagement auf Sicherheitsschuhe wie den Merger GTX Lo (S3) und den Renegade Work GTX (S3). GORE-TEX®-Membran schützt vor Nässe von außen, lässt Dampf aber nach innen entweichen — das funktioniert auch im Sommer, solange Außentemperaturen nicht dauerhaft über 30 °C halten (Membran-Effektivität sinkt bei hohem Außenfeuchtigkeitsdruck). Lowa-Modelle haben typischerweise anatomische Fußbetten und sind breiter geschnitten als viele Arbeitsschuhe — relevant bei hitzebedingten Fußschwellungen.

    Haix

    Haix (niederbayerischer Spezialist für Feuerwehr und Einsatzkräfte) bringt mit dem Connexis Safety-Modell einen S1P-Halbschuh, der explizit auf Sommereigenschaften ausgelegt ist: Leder-Mesh-Kombination, herausnehmbares Klimafußbett, 360°-Nahtfreiheit innen gegen Druckstellen. Das Haix-eigene Climate System leitet laut Hersteller Feuchtigkeit über definierte Kanäle ab — ein Ansatz, der auch aus Feuerwehrstiefeln bekannt ist.


    Vergleich: Sommer-Sicherheitsschuhe auf einen Blick

    Modell Schutzklasse Obermaterial Besonderheit Einsatz
    Elten Maddox Low S1 Mesh/Textil Airtex-Futter, leichtes Gewicht Lager, leichte Industrie
    Elten Impulse Easy S1P Mesh/Leder ESD, herausnehmbares Fußbett Elektronik, Logistik
    Lowa Merger GTX Lo S3 Nubukleder/GTX GORE-TEX®, Profilsohle Bau, Außenbereich
    Haix Connexis Safety S1P Leder/Mesh Climate System, nahtfreies Futter Handwerk, Facility
    Lowa Renegade Work GTX S3 Vollleder/GTX Bergstiefel-Passform, ESD Gelände, Forst

    Tipps gegen Schweißfüße im Sicherheitsschuh

    Schweißfüße entstehen nicht nur durch den Schuh — auch Socken, Pflegegewohnheiten und Tragezeit spielen eine Rolle.

    Konkrete Maßnahmen:

    • Arbeitssocken aus Merinowolle oder funktionellen Kunstfasern (kein Baumwolle pur) — Merinowolle reguliert Feuchtigkeit und hemmt Geruchsbildung durch natürliche Lanolin-Eigenschaften.
    • Zwei Paar Sicherheitsschuhe im Wechsel — ein Paar braucht mindestens 24 Stunden zum vollständigen Austrocknen.
    • Zedernholz-Schuhspanner nach der Schicht einlegen — Zedernholz absorbiert Restfeuchtigkeit und wirkt geruchhemmend.
    • Herausnehmbare Einlagen abends herausnehmen und separat trocknen lassen.
    • Schuhspray mit antimikrobiellem Wirkstoff (z. B. auf Silberbasis) reduziert Keimwachstum; keine Deospray im Innenraum, da das Futter dadurch verkleben kann.
    • Fußpflege: Regelmäßiges Eincremen mit Urea-haltiger Creme (ca. 10 % Harnstoff) beugt Hornhaut und Rissen vor — relevanter im Sommer durch Trockenheit und Hitze.

    Worauf du beim Kauf eines Sommer-Sicherheitsschuhs achten solltest

    • Gewicht unter 450 g pro Schuh — leichtere Schuhe ermüden den Fuß bei Hitze weniger schnell.
    • Schuhweite prüfen: Füße schwellen bei Hitze um bis zu eine halbe Größe. Kaufe im Zweifelsfall eine Größe größer oder wähle ein Modell mit anpassbarer Weite.
    • ESD-Kennzeichnung (Elektrostatische Entladung) falls du in der Elektronik- oder Chemieindustrie arbeitest — hier gilt neben S1P oft auch ESD-Pflicht.
    • Sohlenfarbe: Helle PU-Sohlen auf sehr heißem Asphalt oder Beton können weicher werden (Erweichungstemperatur ab ca. 80 °C auf dunklen Oberflächen). Für Dachdeckerarbeiten oder Straßenbau: hitzestabilere HRO-Sohlen (heat resistant outsole) wählen — Kennzeichnung HRO nach EN ISO 20345 bedeutet Beständigkeit bis 300 °C Kontaktwärme.

    Passende Modelle und eine Übersicht atmungsaktiver Sicherheitsschuhe findest du in der Kategorie Sicherheitsschuhe auf genxtreme.de. Wenn du unsicher bist, welche Schutzklasse für dein Berufsfeld gilt, hilft der Ratgeber Arbeitsschutz auf genxtreme.de.


    FAQ

    FAQ: Welche Sicherheitsschuhe sind am besten für den Sommer geeignet?

    Sicherheitsschuhe für den Sommer punkten mit Mesh-Obermaterial oder perforiertem Leder, einem feuchtigkeitstransportierenden Innenfutter und einem herausnehmbaren Fußbett. Halbschuhmodelle in S1 oder S1P bieten mehr Luftzirkulation als Stiefel. Marken wie Haix Connexis Safety oder Elten Maddox Low kombinieren diese Eigenschaften mit normgerechtem Schutz nach EN ISO 20345.

    FAQ: Darf ich im Sommer Sicherheitsschuhe ohne Socken tragen?

    Sicherheitsschuhe ohne Socken zu tragen erhöht das Risiko von Blasen, Pilzinfektionen und Geruchsbildung erheblich. Außerdem verlieren antistatische Schuhe ihre ESD-Wirkung ohne leitfähige Socken — das ist in der Elektroindustrie sicherheitsrelevant. Dünne Funktionssocken aus Merino oder Coolmax-Fasern sind im Sommer die bessere Wahl: Sie tragen kaum auf und transportieren Schweiß effektiv ab.

    FAQ: Was tun, wenn Sicherheitsschuhe im Sommer stinken?

    Geruch entsteht durch Bakterienwachstum bei Feuchtigkeit und Wärme. Abhilfe: Schuhe täglich lüften, Einlagen herausnehmen und trocknen, Zedernholzspanner einlegen, antimikrobielles Schuhspray nutzen. Hartnäckigen Geruch bekommst du mit Aktivkohle-Einlagen oder einer Behandlung mit verdünntem weißen Essig (kurz einsprühen, vollständig trocknen lassen) heraus. Dauerhaft riechende Einlagen solltest du austauschen.

    FAQ: Unterschied S1P und S3 im Sommer — welche Klasse wählen?

    S1P-Schuhe haben keinen profilierten, wasserabweisenden Außenbereich — sie eignen sich für trockene Innenbereiche, Werkstätten und Lagerhallen. S3-Schuhe sind wasserabweisend und haben eine grobe Profilsohle für Außeneinsatz. Im Sommer auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder im Straßenbau ist S3 Pflicht. Für Büros, Labore oder Produktionshallen reicht S1P. Die Gefährdungsbeurteilung deines Arbeitgebers gibt die verbindliche Mindestschutzklasse vor.

    FAQ: Kann ich normale Einlegesohlen in Sicherheitsschuhe einlegen?

    Aftermarket-Einlagen lassen sich in Sicherheitsschuhe einlegen, solange sie die Schutzfunktionen nicht beeinträchtigen. Wichtig: ESD-Schuhe dürfen nur leitfähige Einlagen erhalten — isolierende Gel- oder Schaumeinlagen unterbrechen den Ableitwiderstand. Für S1P-Schuhe gilt: Die durchtrittschutzende Einlage bleibt immer drin, eine Komforteinlage darüber ist in Ordnung, wenn die Passform noch stimmt.


    Glossar

    EN ISO 20345 — Europäische Norm für persönliche Schutzausrüstung im Bereich Sicherheitsschuhe. Sie legt Mindestanforderungen wie Zehenkappenbelastung (200 Joule Aufprallenergie), Durchtrittsschutz, antistatische Eigenschaften und Sohlenbeständigkeit fest. Alle Sicherheitsschuhe auf dem europäischen Markt müssen nach dieser Norm geprüft und zertifiziert sein.

    ESD (Electrostatic Discharge) — Bezeichnung für den Schutz vor elektrostatischer Entladung. ESD-Sicherheitsschuhe haben einen definierten Ableitwiderstand (100 kΩ bis 35 MΩ) und verhindern, dass sich statische Aufladung am Körper aufbaut. In der Elektronikindustrie, in Reinräumen und bei explosionsgefährdeten Bereichen ist ESD-Schutz Vorschrift.

    HRO (Heat Resistant Outsole) — Kennzeichnung für eine wärmebeständige Laufsohle nach EN ISO 20345. HRO-Sohlen halten Kontaktwärme bis 300 °C für mindestens 60 Sekunden stand, ohne zu verformen oder zu reißen. Relevant für Dachdecker, Straßenbauer und alle, die auf sehr heißen Untergründen arbeiten.


    TL;DR

    • S1-Halbschuhe eignen sich für trockene Innenbereiche, S1P und S3 für Außen- und Baustelleneinsätze — auch im Sommer.
    • Atmungsaktivität entsteht durch Mesh-Obermaterial, Textilfutter und herausnehmbares Fußbett — nicht durch Markenversprechen allein.
    • Haix Connexis Safety (S1P), Elten Maddox Low (S1) und Lowa Merger GTX Lo (S3) sind konkrete Sommer-Empfehlungen mit unterschiedlichem Einsatzprofil.
    • Zwei Paar Schuhe im Wechsel, Merinosocken und Zedernholzspanner reduzieren Schweißfüße dauerhaft.
    • Füße schwellen im Sommer — beim Kauf halbe Nummer größer einkalkulieren oder Modell mit anpassbarer Weite wählen.

    Nächster Schritt

    Schau dir die Auswahl atmungsaktiver Modelle direkt in der Sicherheitsschuhe-Kategorie auf genxtreme.de an — gefiltert nach Schutzklasse und Saison. Wenn du wissen willst, welche PSA-Ausrüstung in deinem Berufsfeld insgesamt vorgeschrieben ist, gibt dir der genxtreme.de Arbeitsschutz-Ratgeber eine strukturierte Übersicht.


    Externe Quellen:

    • EN ISO 20345:2011+A1:2012 — Persönliche Schutzausrüstung — Sicherheitsschuhe — iso.org
    • DGUV Information 212-900: Auswahl und Benutzung von Fußschutz — dguv.de
    • Haix Produktdatenblatt Connexis Safety — haix.com