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Sicherheitsschuhe richtig pflegen — länger sicher unterwegs

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Gepflegte Sicherheitsschuhe behalten ihre Schutzfunktion deutlich länger: Leder bleibt geschmeidig, die Brandsohle hält ihre stoßdämpfenden Eigenschaften, und die Wasserdichtheit der Membran bleibt erhalten. Wer Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345:2022 konsequent reinigt, pflegt und lagert, verlängert die Nutzungsdauer nachweisbar — und schützt sich vor Schäden, die erst beim nächsten Unfall sichtbar werden.


Warum Pflege kein Luxus ist, sondern Arbeitssicherheit

Sicherheitsschuhe unterliegen täglich mechanischer, chemischer und thermischer Belastung. Schmutz, Öl und Feuchtigkeit greifen das Obermaterial an, verstopfen Membranen und zersetzen Klebeverbindungen zwischen Schaft und Sohle. Eine gerissene Laufsohle oder ausgehärtetes Leder sind nicht nur ein Komfortproblem — sie können die Schutzwirkung der Kappe (Prüflast 200 Joule nach EN ISO 20345:2022) und des Durchtrittsschutzes beeinträchtigen.

Hinzu kommt: Viele Hersteller knüpfen ihre Garantiebedingungen an eine sachgemäße Pflege. Grobe Vernachlässigung kann den Garantieanspruch ausschließen.


Welches Material braucht welche Pflege?

Vollnarbenleder und Nubukleder

Vollnarbenleder ist das klassische Obermaterial in robusten Sicherheitsschuhen der Klassen S2 und S3. Es verträgt fetthaltige Lederpflegecremes oder Wachse auf Bienenwachs-Basis, die gleichzeitig imprägnieren und die Faserstruktur geschmeidig halten. Nubukleder — das ist angeschliffenes Spaltleder mit samtiger Oberfläche — reagiert dagegen empfindlich auf Fettcremes; hier kommen ausschließlich Nubuk-Sprays oder spezielle Schaumreiniger zum Einsatz.

Faustregel: Fettcreme für glatte Lederoberflächen, Spray für Velours- und Nubukoberflächen. Beides schließen sich gegenseitig aus.

Synthetische Obermaterialien und Textilmischungen

Microvelours, Cordura-Gewebe (Cordura ist ein strapazierfähiges Nylongewebe mit hoher Abriebfestigkeit) und Textilmischungen nehmen keine Fettcreme auf. Sie werden mit einem feuchten Tuch oder einer weichen Bürste gereinigt und anschließend mit einem Imprägnierspray behandelt, das für Synthetik freigegeben ist. Überschüssiges Imprägniermittel niemals eintrocknen lassen — kurz bürsten, solange das Spray noch feucht ist.

Gore-Tex- und Membran-Innenfutter

Gore-Tex (eine semipermeable Membran auf ePTFE-Basis, die Wasserdampf nach außen leitet und Flüssigwasser abhält) verliert seine Funktion, wenn die Außenseite des Schafts dauerhaft nass oder mit Schmutzpartikeln verklebt ist. Die Membran selbst bleibt dabei intakt — aber die sogenannte DWR-Beschichtung (Durable Water Repellency) auf dem Außenmaterial verschleißt. Durch Reinigung und anschließendes Imprägnieren stellt man diese wasserabweisende Wirkung wieder her. Wichtig: Schuhe nach der Imprägnierung kurz mit einem Föhn oder an der Luft bei Raumtemperatur aktivieren — das reaktiviert die DWR-Schicht.


Schritt für Schritt: Sicherheitsschuhe richtig reinigen

1. Groben Schmutz entfernen
Trockengeschmutzte Schuhe mit einer Bürste oder einem Holzspatel von Erdreich und Grobschmutz befreien. Nasse Schuhe erst trocknen lassen — eingetrockneter Schmutz lässt sich leichter lösen.

2. Waschen — aber richtig
Leder mit klarem, lauwarmem Wasser und einem milden Ledershampoo abwaschen. Synthetische Materialien vertragen auch etwas mehr mechanischen Druck. Keine Waschmaschine, kein Hochdruckreiniger: Beides schädigt Klebenähte, Membranen und die Formstabilität der Kappe.

3. Trocknen ohne Wärmequelle
Direkte Hitze — Heizung, Trocknerschrank, direktes Sonnenlicht — lässt Leder spröde werden, löst Klebeverbindungen und zerstört Membranfunktionen. Schuhe bei Raumtemperatur trocknen, mit Zeitungspapier oder speziellen Schuhformern ausgestopft, damit die Form erhalten bleibt.

4. Pflegen und imprägnieren
Erst nach vollständiger Trocknung Leder- oder Synthetikpflege auftragen, gleichmäßig einmassieren und kurz einziehen lassen. Danach imprägnieren.

5. Brandsohle und Fußbett nicht vergessen
Herausnehmbare Einlegesohlen täglich herausnehmen und an der Luft trocknen. Wer Schichten aus Schweiß und Feuchtigkeit akkumuliert, riskiert Keimbildung und vorzeitige Materialermüdung — beides beeinträchtigt langfristig den Tragekomfort und die Stoßdämpfung.


Wann sind Sicherheitsschuhe auszutauschen?

Eine konkrete Tragezeit schreibt keine Norm vor — EN ISO 20345:2022 legt Prüfkriterien fest, nicht Verschleißfristen. Die Entscheidung liegt beim Arbeitgeber in Zusammenarbeit mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Praktische Austauschindikatoren:

  • Sohlenabrieb unter 1,5 mm Restprofiltiefe bei glattem Boden
  • Sichtbare Risse in Schaft, Laufsohle oder Zehenbereich
  • Durchnässung trotz Trocknung — Membran oder Nahtabdichtung defekt
  • Deformierte Kappe nach einem Aufprall (auch ohne sichtbaren Riss)
  • Ausgehärtetes, rissiges Leder trotz regelmäßiger Pflege

Eine deformierte Kappe muss nach jedem Aufprall geprüft werden — von außen nicht immer erkennbar. Im Zweifel: austauschen.


Lagerung: Was viele unterschätzen

Sicherheitsschuhe lagern trocken, kühl und lichtgeschützt. UV-Strahlung beschleunigt den Abbau von Gummiverbindungen in der Laufsohle. Wer Schuhe längere Zeit einlagert, füllt sie mit Schuhformern aus und behandelt das Leder vorab mit Pflegecreme — ausgetrocknetes Leder reißt auch ohne Trageeinsatz.

ESD-Sicherheitsschuhe (ESD steht für Electrostatic Discharge; ESD-Schuhe leiten elektrostatische Aufladungen kontrolliert ab und schützen empfindliche Elektronikbauteile) dürfen nicht mit herkömmlichen Pflegemitteln behandelt werden, die isolierende Wachse oder Silikone enthalten — das hebt die Ableitfähigkeit auf. Hier ausschließlich ESD-zertifizierte Pflegeprodukte verwenden.


Vergleich: Pflegemethoden im Überblick

Material Reinigung Pflege Imprägnierung Besonderheit
Vollnarbenleder Ledershampoo, lauwarmes Wasser Fettcreme / Wachspolitur Imprägnierungsspray oder -creme Kein Hochdruckreiniger
Nubukleder / Velours Nubukschaum, weiche Bürste Nubukspray Nubuk-Imprägnierspray Keine Fettcreme
Synthetik / Cordura Feuchtes Tuch, milde Seife Keines (Spray genügt) Synthetik-Imprägnierspray Kein Einweichen
Gore-Tex-Membran Wie Außenmaterial Wie Außenmaterial DWR-Imprägnierspray Aktivierung durch Wärme (Föhn, moderat)
ESD-Schuhe Feuchtes Tuch ESD-zertifiziertes Pflegemittel ESD-kompatibel Keine Silikone, keine Isolierwachse

FAQ: Sicherheitsschuhe richtig pflegen

Wie oft sollte ich Sicherheitsschuhe pflegen?

Sicherheitsschuhe sollten nach jeder Schicht gereinigt werden, wenn starker Schmutz oder Nässe vorliegt. Eine vollständige Pflege inklusive Fettcreme und Imprägnierung ist bei Leder wöchentlich sinnvoll — bei intensiver Nutzung öfter. Synthetische Materialien benötigen seltener Pflege, profitieren aber von regelmäßiger Imprägnierung alle zwei bis vier Wochen, damit die wasserabweisende Wirkung erhalten bleibt.

Kann ich Sicherheitsschuhe in der Waschmaschine waschen?

Sicherheitsschuhe gehören nicht in die Waschmaschine. Die mechanische Beanspruchung und dauerhaft wirkende Feuchtigkeit lösen Klebeverbindungen zwischen Schaft und Sohle, beschädigen Membranen und können die Formstabilität der Schutzkappe beeinträchtigen. Eine Handwäsche mit lauwarmem Wasser und mildem Reinigungsmittel ist ausreichend und schont alle schutzrelevanten Komponenten.

Verliere ich die Schutzfunktion nach einem Aufprall auf die Kappe?

Nach einem schweren Aufprall auf die Kappe — auch wenn keine äußeren Risse erkennbar sind — sollten Sicherheitsschuhe aus dem Verkehr gezogen werden. Die Stahlkappe oder Verbundwerkstoffkappe kann durch den Aufprall intern deformiert sein und die Prüflast von 200 Joule nach EN ISO 20345:2022 nicht mehr sicher aufnehmen. Eine Sichtprüfung reicht nicht aus — im Zweifelsfall müssen die Schuhe ausgetauscht werden.

Darf ich normale Schuhcreme auf ESD-Sicherheitsschuhe auftragen?

Normale Schuhcremes und Wachse auf Silikonbasis dürfen nicht auf ESD-Sicherheitsschuhe aufgetragen werden. Silikon und isolierende Wachse setzen sich in den leitfähigen Strukturen der Sohle fest und unterbrechen den Ableitpfad für elektrostatische Ladungen. Für ESD-Schuhe ausschließlich Pflegemittel verwenden, die der Hersteller explizit als ESD-kompatibel ausweist.

Wie erkenne ich, ob meine Sicherheitsschuhe noch wasserdicht sind?

Einen einfachen Praxistest liefert das Abtropfverhalten: Perlt Wasser auf dem Schaft ab, ist die DWR-Beschichtung aktiv. Zieht Wasser sofort ins Material ein, ist die Imprägnierung erschöpft. Ob die Membran selbst noch dicht ist, zeigt sich erst bei längerem Kontakt mit Feuchtigkeit — kühle Füße oder feuchte Socken nach kurzem Wasserkontakt sind ein eindeutiges Signal. In diesem Fall hilft erneutes Imprägnieren; hält die Nässe weiterhin an, ist die Membran defekt.


Glossar

EN ISO 20345:2022
Die europäische und internationale Norm für Sicherheitsschuhe legt Grundanforderungen an Schutzeigenschaften fest — darunter Zehenschutz mit einer Aufprallenergie von 200 Joule, Durchtrittsschutz und Rutschhemmung. Sie ersetzt frühere nationale Normen und gilt für Schuhe der Klassen S1 bis S7. Arbeitgeber sind verpflichtet, Sicherheitsschuhe entsprechend der Gefährdungsbeurteilung auszuwählen.

DWR (Durable Water Repellency)
DWR bezeichnet eine chemische Ausrüstung auf der Außenseite von Textilien und Leder, die Wassertropfen zur Perlung bringt und das Eindringen von Feuchtigkeit verlangsamt. Diese Beschichtung verschleißt durch Abrieb, Schmutz und Waschvorgänge. Sie lässt sich durch Imprägniersprays erneuern und durch moderate Wärme reaktivieren — die Membran darunter bleibt dabei in der Regel unberührt.

ESD (Electrostatic Discharge)
ESD-Schuhe leiten elektrostatische Aufladungen des Körpers kontrolliert über die Sohle ab — mit einem definierten elektrischen Widerstand, der eine schlagartige Entladung verhindert. Einsatzgebiete sind Elektronikfertigung, Reinräume und explosionsgefährdete Bereiche. Pflegemittel mit isolierenden Bestandteilen (Silikone, bestimmte Wachse) können diesen Ableitpfad dauerhaft unterbrechen.


TL;DR

  • Sicherheitsschuhe täglich reinigen und nach vollständiger Trocknung pflegen — Leder mit Fettcreme, Synthetik und Nubukleder mit Spray.
  • Keine Waschmaschine, kein Hochdruckreiniger, keine direkte Wärmequelle beim Trocknen.
  • ESD-Schuhe ausschließlich mit ESD-kompatiblen Pflegemitteln behandeln — Silikone und isolierende Wachse sind verboten.
  • Eine deformierte Kappe nach Aufprall bedeutet sofortigen Austausch, auch ohne sichtbare Schäden.
  • Regelmäßige Pflege ist nicht nur Materialschutz, sondern erhält die zertifizierte Schutzfunktion nach EN ISO 20345:2022.

Nächster Schritt

Wer jetzt das passende Pflegemittel für sein Schuhmaterial sucht oder einen neuen Sicherheitsschuh nach EN ISO 20345:2022 benötigt, findet beides im Sortiment: Sicherheitsschuhe nach Schutzklasse im Überblick auf genxtreme.de oder direkt den Ratgeber zur Sicherheitsschuh-Auswahl auf genxtreme.de für eine systematische Entscheidung nach Einsatzbereich und Normklasse.


GenXtreme Redaktion — Aktualisiert am: 12. Juni 2026

Quellen:

  • EN ISO 20345:2022 — Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe, European Committee for Standardization (CEN), iso.org
  • Gore-Tex Technologie und Produktpflege, W. L. Gore & Associates, gore.com
  • DGUV Information 212-900 – Benutzung von Fuß- und Knieschutz, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, dguv.de