Interview: Ein Textilingenieur über Mikroplastik aus Arbeitskleidung
Kurzantwort: Beim Waschen synthetischer Arbeitskleidung entsteht deutlich Mikroplastik. Mikroplastik aus Arbeitskleidung lässt sich deutlich verringern durch passende Pflegehinweise, spezielle Waschhilfen (z. B. Fangkörbe/-beutel) und technische Lösungen wie nachrüstbare Filter. Dieser Beitrag erläutert Ursachen, mögliche Maßnahmen und gibt konkrete Tipps für Berufskleidung wie Arbeitshosen, Softshelljacken oder Warnschutz.
Hauptteil – Deep Dive
Interview: Dipl.-Ing. Markus Weber, Textilingenieur
„Viele Arbeitskleidungen verbinden Hohe Atmungsaktivität mit hoher Robustheit, gleichzeitig sind Polyesterfasern aber anfällig für Abrieb“, erklärt Dipl.-Ing. Markus Weber, Textilingenieur mit Schwerpunkt technische Textilien. „Beim Waschen lösen sich Fasern – besonders bei Fleece, Softshell und Polyestergeweben. Das ist ein mechanischer Prozess: Reibung + Wasser + Temperatur.“
Markus betont, dass eine gut konstruierte Arbeitshose oder Softshelljacke zwar Feuchtigkeitsregulierung und UV-Schutz bieten kann, ohne richtige Pflege jedoch mehr Mikrofasern freisetzt: „Pflegehinweise sind keine Beschilderung fürs Regal – sie schützen das Material und die Umwelt.“
Wie viel Mikroplastik entsteht wirklich?
Studien zeigen große Bandbreiten – von wenigen Milligramm bis hin zu Gramm pro Kleidungsstück und Waschgang, abhängig von Material, Alter und Waschbedingungen. Ältere, stark beanspruchte Arbeitskleidung setzt deutlich mehr Fasern frei als neue Teile.
Kundin Jana, Elektrikerin aus Nürnberg: „Meine alte Warnschutzjacke hat nach zwei Jahren schon viel Fusseln gehabt. Seit ich sie seltener wasche und einen Fangkbeutel nutze, sehe ich weniger Fussel und die Jacke hält länger.“
Erfahrungsbericht (Stefan, Klempner): „Ein Kollege baute einen Filter an den Abfluss unserer Werkstattmaschine – seitdem finde ich weniger Flusen im Abpumpwasser.“
Hintergrund & Relevanz
Mikroplastik aus Berufsbekleidung betrifft besonders Berufe mit häufiger Wäsche: Handwerk, Pflege, Gastronomie, Bau. In Regionen mit hoher Maschinennutzung und härterem Wasser nimmt der Abrieb oft zu. Bei PSA-Artikeln wie Sicherheitsschuhen (S1P, S3) ist Mikroplastik zwar kein Prüfpunkt der Normen, aber die Materialwahl beeinflusst Umweltwirkung und Hautverträglichkeit.
Vorteile & Anwendungsfälle
- Vorteil 1: Gezielte Pflege reduziert Freisetzung deutlich — weniger Fasern, längere Lebensdauer der Kleidung.
- Vorteil 2: Filter und Beutel schützen das Abwasser und senken die mikroplastische Belastung.
Kauf-/Einsatzkriterien (Kurz):
- Material: Polyester vs. Mischgewebe
- Pflegehinweise befolgen
- Nutzung von Fangkörben (z. B. Guppyfriend) oder installierbaren Waschmaschinenfiltern
Tipps & Best Practices
- Waschtemperatur reduzieren (30 °C statt 60 °C) — das schont die Fasern.
- Schonprogramme und niedrige Schleuderdrehzahl wählen.
- Verwenden Sie flüssige Waschmittel und verzichten Sie auf Weichspüler (verhindert Faserbruch nicht).
- Reparieren statt ersetzen: Pilling entfernen, Nähte stabilisieren.
- Für Berufsbekleidung: seltener waschen, Flecken gezielt vorbehandeln.
- Nutzen Sie einen Fangkbeutel (z. B. Guppyfriend) oder installieren Sie einen Hausfilter.
Weitere Pflegeinfos finden Sie im Textilpflege-Ratgeber auf GenXtreme: https://www.genxtreme.de/textilpflege und im Material-Vergleich: https://www.genxtreme.de/material-vergleich. Produktkategorie Arbeitshosen: https://www.genxtreme.de/arbeitshosen
Technische Empfehlungen
- Materialkunde: Polyester & Polyamid geben häufiger Mikrofasern ab als Naturfasern. Funktionstextilien mit Membran (z. B. laminiertes PU) sind zwar robust, doch Nähte und Kanten bleiben Schwachstellen.
- Pflegehinweise: Nie zu heiß waschen, keinen Trockner bei empfindlichen Membranen, Imprägnierung regelmäßig auffrischen.
- Normbezug: PSA-Komponenten (z. B. Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345, Klassen S1P/S3) sind separat zu betrachten – hier geht es um Schutzanforderungen, nicht um Mikroplastik-Emissionen.
FAQ: Gibt es wirksame Filter für meine Waschmaschine?
Es gibt verschiedene Lösungen: externe Nachrüstfilter, halbprofessionelle Anlagen für Hausanschlüsse und tragbare Produkte wie der Guppyfriend-Waschbeutel oder die Cora Ball. Externe Filter sammeln größere Mengen an Fasern vor dem Abfluss, ihre Effizienz wird jedoch unterschiedlich bewertet. Installierbare Feinfilter sind derzeit die effektivere, aber kostenintensivere Option. Achten Sie auf unabhängige Prüfberichte. Für Vermieter oder Werkstätten lohnt sich oft eine Festinstallation am Abfluss; im Privathaushalt bringt ein Fangkbeutel bereits eine spürbare Verbesserung. (Hinweis: Die technische Wirksamkeit hängt von Maschinentyp und Wasserführung ab.)
FAQ: Welche Arbeitskleidung setzt am meisten Mikroplastik frei?
Synthetische Fleece-Produkte, Softshelljacken und Funktionsshirts aus Polyester sind die häufigsten Verursacher. Auch verstärkte Arbeitshosen mit Polyesteranteil können Fasern abgeben, besonders an Knie- und Bundbereichen durch mechanische Belastung. Naturfasern wie Baumwolle lösen weniger Mikroplastik, erfüllen aber andere Anforderungen (z. B. weniger Feuchtigkeitsregulierung). Mischgewebe sind daher oft ein praktikabler Kompromiss: Sie bieten bessere Feuchtigkeitsregulierung bei moderatem Abrieb.
FAQ: Wie ändere ich die Pflege meiner Berufsbekleidung richtig?
Setzen Sie Prioritäten: Flecken gezielt vorbehandeln, weniger häufig waschen, schonendes Programm (30 °C), niedrige Schleuderzahl und flüssiges Waschmittel. Verzichten Sie bei robusten Arbeitshosen auf optische Aufheller und starke Bleichmittel. Für Softshell & Membranen: keinen Trockner, Imprägnierung gemäß Pflegeanleitung erneuern. Kurz gesagt: schonender waschen = weniger Mikroplastik + längere Lebensdauer.
Glossar
- Baumwolle: Natürliche Faser mit guter Hautverträglichkeit, jedoch geringerer Atmungsaktivität als moderne Funktionsstoffe. In Mischgeweben reduziert Baumwolle die freigesetzten Kunstfasern.
- Membran: Dünne Schicht (z. B. PU oder PTFE) zwischen Gewebeschichten, die Wind- und Wasserdichtheit bei gleichzeitiger Feuchtigkeitsregulierung ermöglicht. Membranen selbst geben selten Fasern ab; Risiken entstehen an Kanten und Nähten.
- Sicherheitsklasse S3: Normbezeichnung nach EN ISO 20345 für Sicherheitsschuhe mit Durchtrittschutz, antistatischer Sohle etc. PSA-Normen regeln Schutzanforderungen, nicht Mikroplastik-Emissionen.
TL;DR
- Mikroplastik entsteht vor allem beim Waschen synthetischer Berufsbekleidung.
- Schonende Pflege und Waschhilfen reduzieren die Freisetzung deutlich.
- Fangkbeutel oder installierbare Filter schützen das Abwasser.
Checkliste – schnell umsetzbar
- Pflegehinweise prüfen und befolgen.
- Auf 30 °C und Schonprogramm umstellen.
- Fangkbeutel (z. B. Guppyfriend) nutzen oder Filter installieren.
- Stark beanspruchte Stellen reparieren statt ersetzen.
- Materialwahl überdenken: Mischgewebe als Kompromiss.
Deine Vorteile
- Kostenloses Beratungsgespräch zur Passform und Materialauswahl (Größen-/Materialberatung) — kontaktieren Sie unseren Kundenservice auf GenXtreme.
- Stöbern Sie in relevanten Kategorien wie Arbeitshosen und Softshelljacken auf GenXtreme für passende, langlebige Produkte: https://www.genxtreme.de/arbeitshosen, https://www.genxtreme.de/softshelljacken
Autor: Rosi Mayr, Content Creatorin & Modeexpertin
Geprüft/aktualisiert am: 2026-05-12
Quellen:
- Umweltbundesamt — Mikroplastik in Gewässern (uba.de)
- Fraunhofer UMSICHT — Studien zu Faserfreisetzungen (fraunhofer.de)
- Napper IE, Thompson RC — Review: Microplastic release from domestic washing (Environment International / sciencedirect.com)
