Sicherheitsschuhe mit dem Kennzeichen WR sind wasserabweisend geprüft, SRA beschreibt die Rutschhemmung auf Fliesen mit Natriumlaurylsulfat-Lösung – beides sind definierte Prüfkennzeichen aus EN ISO 20345:2022, nicht bloße Marketingversprechen. Wer im Außeneinsatz oder in nassen Arbeitsbereichen zuverlässigen Schutz braucht, sollte beide Kürzel kennen – und verstehen, was sie im Arbeitsalltag bedeuten.
Warum Kennzeichen wie WR und SRA im Berufsalltag zählen
Sicherheitsschuhe schützen den Fuß vor mechanischen Einwirkungen. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass EN ISO 20345:2022 darüber hinaus eine ganze Reihe optionaler Kennzeichen definiert, die konkrete Zusatzanforderungen belegen – darunter Wasserdichtigkeit, Rutschhemmung und Energieabsorption. Diese Zusatzkennzeichen erscheinen nach der Grundklasse auf dem Schuh-Etikett, zum Beispiel als „S3 SRC WR".
Für Arbeitgeber bedeutet das: Die Gefährdungsbeurteilung muss Bodenverhältnisse und Witterungseinflüsse berücksichtigen. Fällt dabei Nässe oder Rutschgefahr auf, kann ein Schuh mit entsprechenden Kennzeichen laut Gefährdungsbeurteilung erforderlich sein.
WR: Was bedeutet wasserabweisend geprüft genau?
WR steht für Water Resistant – Wasserbeständigkeit des Schaftmaterials. Ein Schuh mit diesem Kennzeichen hat eine normierte Prüfung bestanden: Das Obermaterial wird dabei mechanisch belastet (gebeugt) und gleichzeitig Wasser ausgesetzt. Die Norm fordert, dass die Wasseraufnahme des Materials einen definierten Grenzwert nicht überschreitet und die Wasserdurchdringungszeit einen Mindestwert erreicht.
Wichtig für die Praxis: WR bezieht sich auf das Schaftmaterial, nicht auf den gesamten Schuh. Nähte, Zunge und Brandsohlenbereich können trotz WR-Kennzeichen Schwachstellen bleiben. Wer vollständige Wasserdichtigkeit benötigt – etwa dauerhafter Einsatz in Pfützen oder auf nassen Böden – sollte auf Modelle mit GORE-TEX®-Membrane oder vergleichbaren Membransystemen achten. GORE-TEX® (W.L. Gore & Associates) ist eine expandierte Polytetrafluorethylen-Membrane (ePTFE), die Wasserdampf durchlässt, aber Flüssigwasser von außen zuverlässig abweist.
WR und Atmungsaktivität – kein Widerspruch?
Hier liegt ein häufiges Missverständnis: Viele Arbeitnehmer glauben, ein wasserdichter Schuh schwitze automatisch mehr. Das stimmt nur, wenn das Schaftmaterial selbst dampfdicht ist. Moderne Membrantechnologien trennen diese Eigenschaften: Die Membrane lässt Wasserdampf (Schweiß) nach außen, hält aber Flüssigwasser ab. Das Ergebnis ist ein Klima im Schuh, das bei moderater Beanspruchung deutlich trockener bleibt als bei einem nicht atmungsaktiven, aber offenporigen Leder ohne Membrane.
Atmungsaktivität wird in der EN ISO 20345 selbst nicht als Pflichtparameter gefordert – sie ist eine Produkteigenschaft, die Hersteller über Membrane oder spezielle Futtermaterialien realisieren. Achte deshalb zusätzlich auf Herstellerangaben zur Wasserdampfdurchlässigkeit (meist in g/m²/24h angegeben).
SRA, SRB, SRC: Rutschhemmung nach EN ISO 20345
Das Rutschhemm-Kennzeichen setzt sich aus zwei Buchstaben zusammen:
| Kennzeichen | Prüfuntergrund | Prüfmedium |
|---|---|---|
| SRA | Keramikfliese | Natriumlaurylsulfat-Lösung (Seifenwasser) |
| SRB | Stahlblech | Glycerin |
| SRC | beides | beides |
SRA entspricht dem Einsatz auf feuchten, gefliesten Böden – typisch für Großküchen, Krankenhäuser, Reinigung und Lebensmittelverarbeitung. SRB bildet metallische Böden mit öligen Medien ab, wie sie in der Metallverarbeitung oder in Lagerhallen vorkommen. SRC vereint beide Prüfungen und gilt als breitestmögliche Rutschhemmungsklasse nach dieser Norm.
Was SRC nicht abdeckt
SRC beschreibt laborgeprüfte Rutschhemmung unter definierten Bedingungen – keine universelle Rutschsicherheit auf allen Untergründen. Loser Schotter, Eis, Holzspäne oder Granulat werden in diesen Prüfbedingungen nicht abgebildet. Für solche Einsätze bieten Profilsohlen mit speziellen Laufflächengeometrien oder Steigeisenvorbereitung zusätzlichen Schutz, aber das liegt außerhalb des SRC-Kennzeichens.
Schutzklassen im Überblick: S1, S1P, S2, S3 und ihre Kombinationen
Die Grundschutzklasse steht immer vor den Zusatzkennzeichen. EN ISO 20345:2022 definiert:
- S1: Antistatik, Energieabsorption, geschlossene Ferse
- S1P: wie S1, zusätzlich durchtrittsichere Einlage (P = Penetration)
- S2: wie S1, zusätzlich wasserabweisender Schaft (entspricht WR)
- S3: wie S2, zusätzlich durchtrittsichere Einlage und profilierte Laufsohle
Ein Schuh mit S3 SRC kombiniert also Durchtrittsschutz, profilierte Sohle und doppelt geprüfte Rutschhemmung – eine Kombination, die auf Baustellen, im Forstbereich und im Outdoor-Einsatz häufig anzutreffen ist.
Wann WR, wann Membrantechnologie?
| Einsatzsituation | Empfehlung |
|---|---|
| Kurzzeitiger Kontakt mit Spritzwasser | WR-Kennzeichen ausreichend |
| Einsatz in Pfützen, nassen Wiesen, Dauerregen | Membranschuh (z. B. GORE-TEX®) |
| Feuchte Böden, Rutschgefahr Lebensmittel | SRA oder SRC |
| Ölige Böden, metallische Untergründe | SRB oder SRC |
| Außeneinsatz mit wechselnden Bedingungen | S3 SRC WR oder Membranmodell S3 SRC |
Orthopädische Zurichtung und Einlagen: Was gilt bei Sicherheitsschuhen?
Wer Sicherheitsschuhe mit orthopädischen Einlagen oder Zurichtungen tragen möchte, muss sicherstellen, dass der Schuh dafür freigegeben ist. Die DGUV Regel 112-191 regelt die Anforderungen: Eine Zurichtung darf die Schutzfunktion des Sicherheitsschuhs nicht beeinträchtigen, und der Schuh muss im Rahmen seiner Baumusterprüfung für orthopädische Maßnahmen zugelassen sein. Solche Arbeiten dürfen ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe (Orthopädiehandwerk) erfolgen.
Pflege verlängert die Schutzwirkung
Die WR-Eigenschaft eines Schaftmaterials kann durch regelmäßige Nutzung abnehmen. Imprägniersprays auf Fluorkohlenwasserstoff-Basis (oder fluorfreie Alternativen für umweltbewusstere Entscheidungen) frischen die wasserabweisende Oberfläche auf. Membranen selbst verlieren ihre Funktion nicht durch Imprägniermittelverzicht, profitieren aber von sauberem Schaftmaterial – Schmutz und Fett setzen die Poren zu und reduzieren die Atmungsaktivität spürbar.
Darüber hinaus gilt: Ein Sicherheitsschuh, der sichtbare Risse im Schaft, beschädigte Sohle oder gelöste Nähte zeigt, erfüllt seine Schutzklasse nicht mehr zuverlässig – unabhängig vom ursprünglichen Kennzeichen.
TL;DR
- WR (Water Resistant) beschreibt die normgeprüfte Wasserbeständigkeit des Schaftmaterials nach EN ISO 20345 – kein Vollschutz gegen dauerhaften Wasserzutritt.
- SRA steht für Rutschhemmung auf Keramik mit Seifenlösung; SRB auf Stahl mit Glycerin; SRC vereint beide Prüfungen.
- Atmungsaktivität und Wasserdichtigkeit schließen sich nicht aus – Membrantechnologien wie GORE-TEX® verbinden beides.
- Die Schutzklasse (S1–S3) steht immer vor den Zusatzkennzeichen; S3 SRC ist eine häufig geforderte Kombination für anspruchsvolle Außeneinsätze.
- Pflege und regelmäßige Sichtprüfung erhalten die Schutzwirkung – ein abgenutzter Schuh verliert seine normierten Eigenschaften.
Nächster Schritt
Wer jetzt einen Sicherheitsschuh mit den richtigen Kennzeichen sucht, findet eine breite Auswahl an Sicherheitsschuhen mit S3 SRC und WR-Kennzeichen auf genxtreme.de. Für spezifische Einsatzbereiche wie Nässe, Rutsch oder Membranausstattung lohnt sich ein Blick in den Ratgeber Sicherheitsschuhe auf genxtreme.de.
Glossar
WR (Water Resistant)
WR ist ein optionales Kennzeichen nach EN ISO 20345, das belegt, dass das Schaftmaterial eine normierte Prüfung auf Wasseraufnahme und Durchdringungszeit bestanden hat. Im Arbeitsalltag schützt WR vor Spritzwasser und kurzfristiger Nässe – nicht vor dauerhafter Wasserexposition.
SRC (Slip Resistance C)
SRC bezeichnet die höchste Rutschhemmungsklasse nach EN ISO 20345 und schließt die Prüfung auf Keramikfliesen mit Seifenlösung (SRA) sowie auf Stahlblech mit Glycerin (SRB) ein. Laborgeprüfte Rutschhemmung auf diesen definierten Untergründen – keine Garantie für alle Bodenzustände.
GORE-TEX®
GORE-TEX® ist eine Membrane aus expandiertem Polytetrafluorethylen (ePTFE), entwickelt von W.L. Gore & Associates. Sie lässt Wasserdampf durch (Atmungsaktivität), hält aber Flüssigwasser von außen ab. In Sicherheitsschuhen wird sie als Innenfutter verbaut und verbessert das Klimamanagement auch bei geschlossenem, wasserdichtem Schaft.
FAQ
Was bedeutet WR bei Sicherheitsschuhen konkret?
WR steht für Water Resistant und ist ein optionales Prüfkennzeichen nach EN ISO 20345:2022. Es belegt, dass das Schaftmaterial unter normierter mechanischer Belastung (Beugung) weniger Wasser aufnimmt und dem Durchtritt länger widersteht als ein Schuh ohne dieses Kennzeichen. WR schützt vor Spritzwasser und vorübergehender Nässe, ist aber kein Vollschutz bei anhaltendem Eintauchen in Wasser. Wer in Pfützen oder bei Dauerregen arbeitet, sollte zusätzlich auf Membranschuhe setzen.
Was ist der Unterschied zwischen SRA, SRB und SRC?
SRA beschreibt die Rutschhemmungsprüfung auf Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfat-Lösung (Seifenwasser), SRB die Prüfung auf Stahlblech mit Glycerin. SRC vereint beide Prüfungen und ist damit das breiteste Rutschhemmungs-Kennzeichen nach EN ISO 20345. SRA eignet sich typisch für Küchen und geflieste Bereiche, SRB für metallische, ölgefährdete Böden. SRC deckt beide Situationen ab.
Sind atmungsaktive Sicherheitsschuhe auch wasserdicht?
Atmungsaktive Sicherheitsschuhe sind dann wasserdicht, wenn sie eine geeignete Membrane (z. B. GORE-TEX® oder ein vergleichbares System) enthalten. Die Membrane lässt Wasserdampf nach außen, hält Flüssigwasser aber ab. Schuhe, die nur als „atmungsaktiv" ausgewiesen sind, ohne Membrannachweis, sind häufig offenporiger und weniger wasserdicht. Das WR-Kennzeichen und eine Membranausstattung schließen sich nicht aus – viele S3-Modelle vereinen beides.
Verlieren Sicherheitsschuhe mit WR-Kennzeichen ihre Wasserdichtigkeit mit der Zeit?
Die wasserabweisende Außenbehandlung des Schaftmaterials kann nachlassen, besonders durch mechanische Beanspruchung, Schmutz und Reinigung. Eine regelmäßige Imprägnierung des Schafts belebt diese Eigenschaft. Die Membranfunktion selbst (bei Membranschuhen) ist dauerhafter, profitiert aber von sauberem Material – Schmutz und eingearbeitetes Fett setzen die Poren zu und mindern die Atmungsaktivität. Sichtbar beschädigte Schuhe sollten ausgemustert werden.
Welche Schutzklasse ist bei Baustelleneinsatz mit Nässe empfehlenswert?
Für Baustellen mit Nässe und Bodenunebenheiten kommt je nach Gefährdungsbeurteilung häufig ein Schuh der Klasse S3 mit SRC und WR oder Membranausstattung in Frage. S3 schließt Durchtrittsschutz, profilierte Laufsohle und wasserabweisenden Schaft ein; SRC ergänzt die normgeprüfte Rutschhemmung auf zwei verschiedenen Untergründen. Die konkrete Anforderung legt die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers fest.
Autor: Michael Korinek, Sales Management – GenXtreme
Aktualisiert am: 15. Oktober 2026
Externe Quellen:
- EN ISO 20345:2022, Persönliche Schutzausrüstung – Sicherheitsschuhe – DIN Deutsches Institut für Normung (din.de)
- DGUV Regel 112-191, Benutzung von Fuß- und Knieschutz – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (dguv.de)
- GORE-TEX® Technologie, Produktinformationen – W.L. Gore & Associates (gore.com)
